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Psychiatrie - es geht auch positiv! (BKH Kaufbeuren)

Persönliche Klinikerlebnisse, keine Empfehlungen.

Psychiatrie - es geht auch positiv! (BKH Kaufbeuren)

Beitragvon Dendrit » 03 Okt 2006 17:27

Geschrieben Mittwoch, August 10, 2005 @ 11:47:28

BKH Kaufbeuren - Psycho-Somato

Nachdem ich aus dem BKH in Haar gegangen bin, wurde ich sechs Tage später in der Psycho-Somato aufgenommen. Beim Gespräch wusste ich nicht, ist das das Aufnahme- oder Erstgespräch. Ich hatte zwar sicherheitshalber einen kleinen Koffer dabei ... ja, und den holten wir schließlich vom Auto. Mir wurde das Zimmer gezeigt. Dann war Übergabe. Mein Mann und ich wollten zwischenzeitlich erst durch's Gelände bummeln, aber es war heiß und die Sonne stach so herunter, dass ich es nicht aushielt. Von dem ganzen Trubel der Woche zuvor war ich noch kraftlos, so dass mir ein Spaziergang im "Wald" zu anstrengend war und lieber auf der Station wartete. Dann fand mein erster "Umzug" statt: in ein anderes Zimmer, wo nur ein Bett belegt war statt in das, in dem ich die Dritte gewesen wäre. Na, es war ja auch bloß die Tasche. Zimmer auf der Nordseite. Trotz der sommerlichen Hitze war ich als Verfrorene eiskalt. Außerdem empfand ich es wieder als "Strafe" - in einem Nordzimmer zu sein. Ich habe wohl gegen diese Seite was!? Aber das kann ja schließlich keiner wissen. Nach zwei Nächten bekam ich mit, dass jemand in einem Süd-West-Zimmer entlassen wird. Ich sprach mit einem Mitpatienten, dass ich diejenige beneide, die dort hinkommt. Ich solle doch fragen, ob ich nicht umziehen könne. ??? Bild ??? Ich und fragen und einfach so umziehen? ??? Bild ??? Na gut, dauerte fast eine Std. bis ich mich überwunden hatte. Mehr als einen Rausschmiss konnte ich nicht riskieren. Die Sr. sahen sich an, dann mich. "Es war ja nur eine Frage. Schon gut. Entschuldigung." Neu da und Ansprüche stellen, nein, das kann man ja schließlich nicht und wollte schon wieder gehen. Da sagte eine, ja gut. Wumm - ein ja! Ich konnte es kaum glauben. Bevor sich da irgendjemand was überlegte, sammelte ich mein Zeug ein und zog um. Natürlich musste ich der Bettnachbarin klar machen, dass der Umzug nichts mit ihr zu tun hat. Logischerweise denkt man das als erstes. Würde ich auch.

Dann wurde mir mein "Pate" vorgestellt. Das ist in der Klinik jemand, der einem die Station zeigt, die Hausordnung und Ablauf verständlich macht und für die nächsten Tage Ansprechperson ist, wenn man auf die Schnelle nicht alles mitbekommen hat bzw. Fragen hat. Ich war später auch mal Patin, mein erstes "Patenkind" war 76 y!! Unvoreingenommen gegenüber Mitpatienten fragte ich neugierig und einfach drauf los, warum er da sei. Überrascht sagte er mir das. Verwundert über die Reaktion fragte ich ihn, ob man das hier nicht dürfe. - Doch schon, aber das hat noch niemand gemacht - weder der Pate dem Neuling, geschweige der den Paten. - Aha. Warum? Das war so ziemlich das erste, was man in den anderen Kliniken machte. - Kennt man hier nicht. - Liegt es an der Mentalität? Kennt man das im Allgäu nicht? - Dann mussten wir beide lachen und es gab auch bald das Abendessen. Es gab keinen festen Platz - aber Stammplätze! Bild Naja, war auch das selbe, aber man konnte immerhin variieren, die Möglichkeit stand also offen. Hier gab's Vollkost und vegetarisch, aber manches wurde auch berücksichtigt und im Speiseplan vermerkt, z.B. glutenfrei, eiweißreich, abends nur Salat, halbe Portion; ich ließ mich später als "vegetarisch süß" eintragen. Bei vegetarisch gab's 2-3x die Woche Süßspeise. Wenn Wurst abends übrig blieb bzw. recht viel kam, konnte ich mich genauso gut bedienen, aber ich steh nicht unbedingt darauf. "Seltsamerweise" gab es hier Töpfe, Teller, Tassen und Besteck - die man allerdings auf Station abspülte. Genauso kam das Essen nicht proportioniert, wie man es sonst kennt, sondern nur die Ausnahmen. In Töpfen und Schalen wurde es an die Tische mit 2x6 und 1x8 Plätzen verteilt. Im doch relativ großen Aufenthaltsraum war ein Fernseher, der jedoch erst ab 17.00 h eingeschaltet werden durfte (wg. der Therapien).

BKH-Haar-Haus-30-Geschädigt wandte ich mich natürlich nicht ans Personal. Als es mir dreckig ging, simste ich meinen Mann, der meinte, ich solle denen doch eine Chance geben. Bevor ich die nächste Nacht durchwachte, ging ich zum Behandlungszimmer. Ein Pfleger hatte Nachtwache. Sein Aussehen irritierte mich: ansonsten konservativ aber mit Ohrring. Irgendwie passte es überhaupt nicht zu ihm. Also nochmals Luft holen und platzte dann heraus, dass ich mich nicht ans Personal wenden würde, weil ich kein Vertrauen mehr haben kann. Puh, jetzt ist's heraußen. Auf einmal kam mir, man könne diese Aussage persönlich verstehen. Nein!! Was habe da bloß für einen Fehler gemacht! Schnell schob ich nach, dass das nicht persönlich gemeint war und er das nicht missverstehen solle, ich meinte das allgemein als Pflegepersonal. - Pause. Sah mich an. Was kommt jetzt? Koffer packen und morgen gehen? Vielleicht will er gar meine Medikamente am Morgen nicht geben!? - Dann redete er auch was von Chance geben und bewusst machen, dass ich nicht mehr in Haar bin. Irgendwie redete und gestikulierte er wie mein Epileptologe in Würzburg und das beruhigte mich etwas. Er hat somit das Eis schon mal "angebrochen". Von dem, was er sonst noch sagte, weiß ich nichts mehr, nur dass ich irritiert und wie betäubt in mein Zimmer zurück ging. "Da machste dich auf alles mögliche gefasst und dann kommt gar nichts." Das ließ mich auch nicht richtig schlafen, aber immerhin, ich habe "denen" das wissen lassen. Was ich eigentlich sagen wollte, tat ich zwar nicht, aber ich habe meine grundlegende Einstellung mitgeteilt.

Am nächsten Tag kam nichts. Auch in der nächsten Schicht nicht. In Haus 30 ging es bis in die 3. Schicht, aber die war ja er wieder. Und er fragte mich bloß 'was belangloses.

Es gab des weiteren nach dem Frühstück eine sog. Morgenrunde. In Sinnbildern drückte man aus, wie es einem geht. Wenn z.B. das Thema "Pflanzen/Blumen" angesagt war, war ich mal 'ne Sonnenblume (wenn's mir gut ging) oder auch eine zeitlang eine schwarze Rose mit dicken Dornen (Rosen sind die einzigen neben Kaktus und Disteln, die Stechen können; schwarz, weil ich total unten bin - meist wenn Suizidgedanken da waren, und die Dornen standen dafür, dass ich meine Ruhe haben wollte bzw. mal "seltsam" reagieren könnte). Oder Tiere: Faultier stand meist für Trägheit, Kraftlosigkeit, immer noch müde; eine Maus wurde i.d.R. verwendet, wenn man am liebsten in ein Loch verschwinden würde. Es konnte auch sein, dass man den Zustand gar nicht beschrieb und einfach weitergab. Organisatorisches wurde mitgeteilt, genauso, wenn ein Neuer kommt und wer Pate sein möchte. Anschließend war

Frühsport. Da ich noch fleißig am Abnehmen war und ich vom Aufzug sowieso Koordinationsschwierigkeiten bekam, ging ich die 5 Stockwerke runter und dann auch wieder 'rauf. Dann hatte ich
Ergo (oder BT, nennt sich überall verschieden). Gesamt malte ich dort 3 Seidentücher. Als Perfektionistin fiel mir selbstverständlich jeder Fehler auf und machte mich todunglücklich und hätte am liebsten ein neues begonnen. Aber ich solle ja lernen, Fehler einzugestehen. Und wenn man es um den Hals hat, sieht man den Fehler eh' nicht. Montags war
Visite und
Patientenversammlung. Da wurden Ämter für eine Woche ver- bzw. eingeteilt, wie z.B. Blumendienst, wer den Essenswagen wann hin- und wer ihn zurückbringt. Wer nicht pünktlich zur Verteilung kam oder gar nicht, bekam die Ämter aufgebrummt, die am wenigsten gemocht wurden. Bild Auch wer die Woche darauf Stationssprecher sein sollte/wollte. Das wäre an für sich nicht schwierig gewesen, wenn ... wenn am Dienstag nicht die
Stationsversammlung gewesen wäre. Dort musste über ein Thema gesprochen werden und passenden Rahmen gesucht werden: als Diskussions- oder Informationsrunde, Rollenspiel und noch irgendwas. Es war alles Personal, das Schicht hatte, neben der OÄ, dem Stationsarzt, der Psychologin und einem Theologen, anwesend. Vor der Psychologin war das meiste Grauen. Sie mochte offenbar eine sehr gute Behandlerin sein, aber in dieser Runde griff sie gern die Leute an (ob bewusst oder nicht), verletzte einige, die dann durchaus die Runde verließen (ich auch mal). Einmal wollten wir das klären und machten das Gegenstand der Patienten- und der Stationsversammlung. Ihre Reaktion: beleidigt und eingeschnappt (wenn man ihre Mimik und Körperhaltung betrachtete). Ihre Verteidungsversuche zogen nicht und diesmal beteiligten sich fast alle Patienten. Es tat uns gut, wie eine Sr. mitteilte, wie fertig wir die Woche zuvor waren und zu einer außerordentlichen Versammlung kam. Und so konnte man dann erkennen, wenn die OÄ und/oder der Stationsarzt anwesend war, hielt sich die Psychologin zurück.
Körpertherapie wechselte zwischen Entspannungstherapie und Spiele (kindisch sein, war meist recht lustig Bild )
In der Themenrunde sollte eigentlich von den Patienten ein Thema gewählt werden, über das dann das nächste mal gesprochen werden solle. Wenn nicht, wurde ein Wort ausgewählt. Z.B. Egoistisch - selbst-sucht, positiv/negativ, wann es beginnt, was es beeinflusst ... Oftmals ergab sich ein Wort zum nächsten. Da wird einem bewusst, wie groß eigentlich unser Sprachschatz ist bzw. was die Wörter aussagen; wie im Forum immer wieder vorkommt: mitleidig; wird im allgemeinen negativ gebraucht, doch was sagt es eigentlich aus: mit-leiden, was ja eine positive Eigenschaft wäre, die natürlich auch zum Problem werden könnte. Ich habe im KND-Forum mal was gefunden, was ich dem Psychologen schickte, weil es mich daran so erinnerte:

Eigentlich keine Art

eigenartig
wie das Wort eigenartig
es fast als fremdartig hinstellt
eine eigene Art zu haben


Stationsleiterin war ich nur einmal und in der Themenrunde dürfe ich nicht zwanghaft versuchen, was zu sagen, wenn niemand was sagt - lernen: zu schweigen und nichts organisieren. War schon eine zeitlang ein Problem, weil sowas doch selbstverständlich war.

WE durfte man heim, musste jedoch am Sonntag 17.00 h wieder zurück sein, da war eine sog. Ankunftsrunde (nach Absprache konnte man auch eine Ausnahme machen). Man erzählte, was man so gemacht hat. Sinn war für's Personal, wie's dem Einzelnen geht, wie das WE war, ob somit ein Gespräch notwendig wäre bzw. gewünscht wurde. Das war mit Tee, Kaffee und Naschwerk (vom Personal). Je nach dem, wer da war, machten wir es mit Kerzen "romantisch" - besonders als es um diese Zeit schon dunkel war. Das erste WE blieb ich da. Was auch noch nie vorkam, ich war die einzige, die da war. War sicherlich auch gut so, denn ich war todtraurig, wollte nicht das Personal stören, wusste auch nicht wie. Ich weiß, hört sich blöd an.

Wenn man was wollte/brauchte musste man selbständig zum Personal gehen, sie würden nicht auf einen zukommen. Tja, jetzt stand ich vor dem Problem: ich muss reden (lernen), zu denen hingehen und sie um ein Gespräch bitten, Termin vereinbaren (je nachdem was bzw. wieviel los war). Nur ein einziger verhalf mir das zu überbrücken. Wenn er seinen Dienst begann, machte er die Runde, wer aller da ist. Anstatt lediglich in den Aufenthaltsraum reinzugehen und registrieren, dass ich da war, wechselte er ein paar Worte, wie's mir geht und so. So war ich schon mal ungezwungen in einem Gespräch, bei dem ich hätte nur noch sagen brauchen, ob er später Zeit hätte. Das "Problem" war allerdings, dass er nicht meine Bezugsperson war. (Ach ja, normal ist ein Bezug, Krise-Pat. hatten oftmals zwei - ich somit auch: die Sr. bei der Aufnahme und den Pfleger, den ich nachts so anfuhr.) Haben meine "Bezüge" nicht gerade Schicht, wurde man einer Person zugeteilt, zu der man dann gehen solle, wenn was wäre. Ich muss zugeben, *räusper* dass ich manchmal abwartete, bis mein eigentlicher Bezug weg war, weil ich mich mit dem Pfleger leichter tat.

Auch als mal wieder so schlimm die Suizidgedanken kamen, brachte ich es nicht fertig, mit den anderen zu reden. Also wartete ich, bis er nachmittags meine Ansprechperson war. Meldete mich auch an, solle warten bis nach der Übergabe. - Klar, kein Problem. - Er käme auf mich zu. - So?, dachte ich. Im "Besprechungsraum" fing ich vorsichtig an. Sein Notizzettel war schnell voll. Dann meinte er, ich hätte es doch gleich sagen können, wenn es so schlimm wäre. Hmm, einmal war er nicht mein richtiger Bezug, außerdem kann ich warten. Ja, von anderen bekam ich schon mit, wie sie auf ein sofortiges Gespräch beharrten - das konnte ich nicht. Lieber schwieg ich ganz. Dann redeten wir fast jeden Tag, entweder "offiziell" im Besprechungsraum oder so, wenn ich im Aufenthaltsraum war (war meistens allein [Nichtraucherin] und mit -- WiCo beschäftigt). An einem bestimmten "Stichtag" oder "Fixdatum" bot er an, dass ich in die Halboffene verlegt würde. Nur für ein oder zwei Tage. Das war mir aber dann zu peinlich. Bild Dann müsse ich ihm aber ein Versprechen geben oder einen Vertrag unterzeichnen. - Vertrag? Brachte das sofort mit "Anwalt" in Verbindung, Bild hatte keine Ahnung, was so ein Vertrag beinhaltet und zog somit den Handschlag vor. Ich sollte mich dann immer ab- und anmelden, nur mit Mitpatienten und meinem Mann die Station verlassen und mich zwischendurch im Behandlungszimmer melden. (Mein Zimmer war in der Nähe der Stationstüre, ich hätte somit jederzeit verschwinden können. Die Mitpatienten wussten davon nichts und hätten somit aus der Raucherecke nicht reagiert.) Ich verwies ihn, dass ich sowieso nachmittags im Aufenthaltsraum beim Malen wäre, also falls ich mal die Zeit übersehe.

Einmal ging ich nochmal knapp an der Halboffenen vorbei. Suizidgedanken. Bild Normales Gespräch (also terminlich) beim Psychologen. Brachte - wie sonst - kaum ein Wort raus. Er "wühlte" zwar immer rum und da er meist den Nagel auf den Kopf traf, brauchte ich eigentlich auch nichts weiter sagen, lediglich korrigieren. Ich erkundigte mich später mal, wie man mit einem Psychologen redet, weil über was zum nächsten Mal überlegen solle. Es stellte sich später 'raus, dass er mit mir nichts anfangen konnte, weil ich nichts sagte. Bild Na gut, wieder zurück zum besagten Gespräch. Außer Kopfschütteln, Nicken oder ein leises Wörtchen brachte ich nichts raus. Nach 45 Min. wäre eigentlich mein Std. 'rum gewesen. Da stand er auf und sah draußen nach - keiner wartete. Also machte er weiter. Mein Mund trocknete buchstäblich aus. Kannte ich gar nicht. Ich hätte nur einen "Pieps" von mir geben brauchen und um Wasser bitten - nein, traute mich nicht. Ihn womöglich noch damit verärgern? Es war so schwierig in diesem hin und her. Was er sagte, klang ja vernünftig - also WISSEN. Aber die GEFÜHLE sagten was anderes und habe mich auf deren Seite gestellt. Der trockene Mund. Irgendwann fing alles zu kreisen an. Und irgendwann hörte er auf. Er bot an, diese Nacht auf der Halboffenen zu verbringen.

Das war mir sowas von egal. Bild Er rief auf einer Station an: Tel. belegt. Die andere: es wäre nichts frei. Erst mal auf Station. Aufzug? Nee, wird mir nur schwindlig und speiübel. Obwohl, das war's mir eigentlich schon. Zwei Stockwerke die Treppe hinaufgegangen. Zwischendurch torkelte ich. Mit der Hand an der Mauer wollte ich mir einen doch etwas geraderen und so sicheren Gang gewährleisten. Er versicherte mir, nach 'ner Std. nochmals zu kommen, wie's mir dann geht und ob er ein Bett bekommen hätte. Oben angekommen, ging ich erst mal in ein gewisses Örtchen. Kurz darauf kam die Sr., ob ich wirklich nur deswegen dort drin war oder mir was antun wollte. Bild Nein, auf die Idee wäre ich gar nicht gekommen, wäre nicht meine Art. - Was ich möchte? - Was zum Trinken, Wärmflasche und ins Bett. Meine Zunge klebte, es war ein schreckliches Gefühl. Ich trank und trank und trank. Erschöpft ließ ich mich ins Bett fallen. Obwohl die Sr. für diese Schicht nicht meine Ansprechperson war, kümmerte sie sich liebevoll. Jede Viertel Std. kam sie herein und sah nach mir. Sie bot mir an, dass ich in die Küche komme, wenn sie das Abendessen vorbereite. Ich konnte nicht, würde aber mitkommen, um mir einen Caro-Kaffee zu machen. Dann kam die Angst, ich habe was gesagt, was nicht "i.O." wäre und dass ich meine Medi's nicht bekäme Bild Bild (weiß nicht, was das ist, dass dieser Gedanke immer wieder in den Kopf schießt) und bat sie inständig, dass ich doch um 17.00 h meine Medi's bekäme. Natürlich reagierte sie irritiert, klar, selbstverständlich. Irgendwann habe ich auch L.o.r.a.z.e.p.a.m bekommen. Obwohl ich es nicht leiden kann (bevorzuge A.l.p.r.a.z.o.l.a.m), nahm ich es.

Mir war alles so egal. Dann schlief ich fast ein und dann kam der Psychologe 'rein. Ich könne auf die Station **. Die wissen Bescheid. Am liebsten hätte ich das Heulen angefangen (konnte das aber sowieso nicht) und bat einfach, ob ich nicht im Bett liegen bleiben dürfe. Schweigen. Versprechen. Er käme am nächsten Tag vorbei. Ich bat die Sr., im Bett bleiben zu dürfen und nicht zum Essen zu kommen. Zur Nachteinnahme würde ich dann schon kommen (Wecker). Und dann schlief ich erst mal.

Am nächsten Tag, kurz vor 09.00 h, kam er. Besprechungszimmer. Ich weiß von dem Gesprächsinhalt auch nichts mehr. Versprechen. Ich wollte bzw. konnte nicht. Das ging vllt. so 4-5 Mal hin und her. Er müsse mich sonst verlegen. Ich wollte trotzdem und auch beides nicht. Das Entweder-Oder brachte wieder alles zum Drehen. Ich stand wieder zwischen dem WISSEN und den GEFÜHLEN und wurde von letzteren beherrscht. Noch einmal, dass ich das versprechen müsse. Nicht, weil es das X-te Mal war, sondern der Unterton brachte mich in Panik. Weg hier. Schnell versprochen, ab ins Zimmer. Wollte niemanden sehen oder hören. Aber Chris Normen. Sein Lied "For You" hörte ich in Repeat ununterbrochen 3 h an, bis zum Mittagessen, danach ging's weiter. Zwischendurch schlief ich mal.

Wie mir andere erzählten, musste man zu den Therapien, erst recht, wenn jemand so wenig hatte wie ich. Ich bat noch nicht mal um Befreiung. Fast die ganze Woche lag ich nachmittags im Bett, also zur Ergo ging ich schon, da konnte ich voll abschalten. Körpertherapie auch. Als wenn ich gesagt hätte, lasst mich in Ruhe, ich kann mich kaum rühren, nicht denken etc. sagte niemand vom Personal was. So im Halbschlaf bekam ich zwar manchmal mit, wenn jemand 'reinschaute, aber ich wurde nicht geweckt noch dass ich später darauf hingewiesen worden wäre, ich hätte doch die und die Thera gehabt. Das schätzte ich sehr.

Haus-30-Schädigung kam zwar immer wieder herauf mit der panikartigen Angst, in der Enge zu stecken, und fertig gemacht werden müsste, kam immer wieder der liebevolle Hinweis, ich bin in Kaufbeuren. Tja, der eine Pfleger wurde mal mein Erst-Bezug-Stellvertreter (wenn ich das mal so bezeichne), als diejenige in Urlaub ging, und so wurde er mehr zu meiner Vertrauensperson. Als er uns Pat. sagen musste, dass er versetzt werde, fiel ihm das ganz ersichtlich schwer - uns auch. Wir organisierten eine kleine Abschiedsfeier. Da an diesem Tag Discoabend war und einige entlassen wurden, fiel es überhaupt nicht auf, dass wir was für ihn herrichteten. Eine schrieb ein Gedicht und verteilte die Strophen an ein paar. Außerdem haben wir zusammengelegt und kauften ein schönes Geschenk. Ich selbst zog mich von ihm zurück, nichts mehr sagen, weil ich mit Abschied so meine Schwierigkeiten habe und das hätte mich nur noch weiter 'runter gezogen.
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Da ich nicht an dem Discoabend teilnahm, verabschiedeten wir uns außerhalb des "Lärms" (ich hatte in dieser Zeit Verspannungskopfschmerzen, vermutlich psycho-somatisch und ab einer bestimmten Lautstärke war alles Lärm, Schreien, Pochen ...). Ich hatte schon eine Woche davor was geholt, bevor also innerhalb der Pat. darüber gesprochen wurde. Ja, es war ein sehr schönes Gespräch, wodurch der Abschied etwas leichter viel. Wieder eine Einzelperson, die meiner Schwäche liebevoll entgegenkam, mir im Gespräch die Spannung nahm. Nicht auf etwas bestand, aber vllt. auch deswegen, weil er eigentlich nicht mein Bezug war. Als ich durch ein Missverständnis doch mal buchstäblich heulte und die betreffende Sr. ins Zimmer kam, nahm sie mich dann einfach in den Arm. Bild Das tat auch so gut. Eigentlich eine - denk ich - ganz normale zwischenmenschliche Gestik, die oft durch Missbrauch oder der "deutschen Erziehung" die heilsame Wirkung entzieht. Das sind auch so Begebenheiten, die ich wohl nie vergessen werde.
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Als ich in letzter Zeit so weit unten war und mich mal durchgerungen hätte, jemanden anzurufen und mein Psychiater wäre nicht da gewesen, hätte ich diesen Pfleger angerufen. Bild Weil ich ihn kenne, er mit mir schon mal so ein extremes Tief durchgemacht hat, nicht verletzend war, ruhig blieb und nicht in helle Aufregung versetzt wurde, "nur" weil ich von S** sprach. Jetzt geht's mir zwar gut, aber ich denk, wenn ich dort wieder 'reinkommen würde, könnte ich leichter auf das Personal zugehen als vorher. Vier Monate haben doch Einblick geben lassen. Nach fast 3/4 Jahr "Abstand" entstand ein anderer Blickwinkel oder Wahrnehmung oder Verständnis. Als ich im I-Net einen Behandlungsvertrag fand, schrieb ich ihn ab und füllte ihn so aus, dass er nur für die Klinik betraf (Adresse, Station, wen ich als Bezug haben möchte). Ebenso adressiert habe ich auch gleich für die Münchner Psychiarie ausgedruckt. Und allgemein. Nach dem Motto: sicher ist sicher. Wenn ich mal wieder so extrem Durchdrehen sollte, sind die Papiere wenigstens schon fertig - auch wenn man sie eigentlich nicht bräuchte. Aber so ist wenigstens sicher, wen ich haben möchte und was hilfreich ist (Wärmflasche, Bett, Musik).

Hätt nicht gedacht, dass der jeweilige positive Aufenthalt mit mehr Platz überwiegt, als der Negative. Jetzt fehlt aber noch der Aufenthalt in Bethel-Bielefeld im Mara Station 3C. Irgendwann mal wieder. Jetzt dreht sich der Kopf, nach ca. 3 h schreiben. Bild

Ich hoff, dass er ein weiterer Beitrag ist, Einblick in eine weitere Klinik zu bekommen. Dass zwar ein schwarzes Schaf dazwischen war, aber meist macht einen das fertiger und bleibt sehr gravierend und nachhaltig im Sinn. Es war jetzt auch für mich interessant, wie viel zwar in Erinnerung ist, aber nicht so ins Gewicht fällt, als das Negative. Aber auch hier fehlt jede Menge. Es soll ja ein Bericht und kein Buch werden.

Boah, ist mir jetzt übel, muss mich hinlegen. Bild

Bild LG, Manuela
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Alle sagten, dass es nicht geht - da kam einer, der das nicht wusste, und tat es.
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Beitragvon Beate » 03 Okt 2006 17:28

Geschrieben Mittwoch, August 10, 2005 @ 14:44:41

Hallo Manuela,

da ich noch nie in einer Klinik war, ist es für mich besonders interessant, deine Erfahrungen damit zu lesen. Für dich freue ich mich, dass du selbst erkannt hast, wieviele positive Erfahrungen dabei waren. Ja, man sieht oft nur die negativen Dinge so stark, dass sie die positiven überschatten, aber vielleicht verschiebt sich das für dich durch das Aufschreiben.

Alles Liebe - Beate
Und wenn Du denkst, es geht nicht mehr, kommt irgendwo ein Lichtlein her.
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Beitragvon Grau » 03 Okt 2006 17:29

Geschrieben Mittwoch, August 10, 2005 @ 17:28:41

Liebe Manuela,
ich bin sogar immer noch neugierig...Software für einen Scanner kann man sich runterladen Bild ...
Im Ernst, ich versuche oft, möglichst neugierig zu sein/zu bleiben. Ich habe die Erinnerung, dass in meiner allerschlimmsten Depression, als ich nur von einem Tag zum anderen (über)lebte, auch nur immer für 2 Tage einkaufte, weil ich dachte, länger ertrage ich das Leben nicht, schließlich ein ganz kurzer Moment auftauchte, in dem ich einen Hauch von Neugier spürte. Neugier, wie das Leben auf der Erde weiter verläuft. Neugier, was morgen sein könnte. Das war für mich eine sehr wichtige Erfahrung.
Deshalb: Ich verstehen, dass du die Bilder nicht so einfach ins Netz stellen kannst. Aber sehen würde ich sie schon gern, und ich würde mich freuen, wenn sich irgendwann die Gelegenheit ergeben sollte.
Deinen Bericht fand ich richtig spannend, und die positive Stimmung ist übergesprungen. Danke dafür.
Viele Grüße
Grau
Grau
 


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