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BKH Haar - die wahre Geschichte

Persönliche Klinikerlebnisse, keine Empfehlungen.

BKH Haar - die wahre Geschichte

Beitragvon Dendrit » 03 Okt 2006 16:55

Geschrieben Donnerstag, Juli 21, 2005 @ 13:52:04

BKH Haar - die wahre Geschichte

(Ich glaube, ich fülle allmählich die Jammerecke; aber wenn schon mal die Möglichkeit besteht, Ballast abzuwerfen ... Ob das hier allerdings so zum Durchlesen ist, weiß nicht - ist echt ellenlang!)

Vorweg: ich tu mich sehr schwer, auf das Personal zuzugehen, um mit ihnen zu reden - will keine Zeit jemand anderen wegnehmen, ist vermutlich gar nicht so wichtig ... Weiteres Problem sind Ärztinnen, ich weiß zwar nicht warum - aber besonders Blonde mit Brille (Beobachtung, keine Diskriminierung!). Offenbar sind mir Frauen zu unverständlich oder sie haben mit meiner Unverständlichkeit Probleme, wie auch immer. Desweiteren möchte anmerken, dass das lediglich MEINE Erfahrung bzw. Empfindung war/ist. Im Haus 12/4a mag manches etwas Unglücklich verlaufen sein ... nur Haus 30 kann ich nicht empfehlen. Die Krise (12/E) und von Haus 63 (Borderline) wurde geschwärmt. Auch andere für Sucht, Geronto, etc.

Psychiatrie München: Beim Termin wollte ich keine Versprechungen eingehen. Stationäre Aufnahme? Es war mir alles sowas von egal, nur nicht mehr binden. Mein Doc rief auf einer Station an - mit 4 Betten überbelegt. Welche Klinik dann? Haar oder Kaufbeuren? Mit meinem geographischen Gedächtnis sagte ich Haar - dabei war das am weitesten weg! Sanka würde mich dorthin bringen. Sanka? Tut's nicht auch ein Taxi - ich wollte ja kein wertvolles Gefährt mit Erste-Hilfe-Ausstattung einer anderen verunglückten Person "wegnehmen". Sanka! Also nochmals in die Ambulanz: unter Aufsicht warten bis der kam. Dann im Vorraum von Büroräumen - unter Aufsicht - warten. Walkman überbrückte mir die Zeit. Schließlich kamen zwei weißgekleidete Männer. Das sind sie wohl. Ich steh auf, die Frau rauschte sofort aus einem Büro. Zum Sanka: einer vor, der andere hinter mir. War schon ein seltsames Gefühl. Stumme Fahrt, ich vermute es waren ca. 45 Min.

BKH Haar: Ich kam "ideal": 17.00 h - Schichtwechsel und auf meiner Station war der Arzt gar nicht mehr da: Aufnahmegespräch mit der ÄvD in der Geschlossenen (12/4a) erst mal vermerken lassen, welche Medi's ich nicht bekommen kann bzw. nicht vertrage, Ausweichmöglichkeiten. Um Missverständnisse zu vermeiden, ließ ich auch mein Problem mit der "Maske" vermerken. Sollte vorerst auch keine B.e.n.z.o's bekommen, aber auf Bedarf (also egal in welcher Menge). Ich schaffte es doch tatsächlich, meinen Mann anrufen zu dürfen, wo ich bin und was ich bräuchte. Das geht dort normalerweise nicht, denn vom Klinik-Telefon dürfe man angeblich nicht, für die Patienten stand ein Kartentelefon zur Verfügung. Selbstverständlich durfte man jedoch nicht die Station verlassen, um sich eine Karte zu besorgen, sollen Mitpatienten machen. Schön und gut, nur wenn man einmal nicht soviel dabei hatte bzw. das Geld schon abgegeben hatte, war das natürlich ein riesiges Problem. Zudem war man ja gleich im Wachbereich (die "Geschlossene" in der Geschlossenen, 4- und 1-Bettzimmer auf jeder Seite [Männlein + Weiblein] und die Patienten dort haben sowieso noch keinen Ausgang. Allein diese "Begrüßung" könnte einen schon vor Verzweiflung in eine Geschlossene treiben. Bei jedem Neuen war ein Bitten und Betteln zu hören, doch einen Angehörigen Bescheid geben zu dürfen. Es war also grundsätzlich so.

Nach 1 ½ w erfuhr ich, dass ich einen festen Bezug hatte, die sich jedoch erst nach fast 2 w vorstellte und ein Gespräch führte - obwohl ich sie vom ersten Tag an kannte. Na ja. Die Hektik, die im Stützpunkt im Wachbereich herrschte, bekam ich auch zu spüren: von kurz angebundenen, genervten Antworten bis hin zu "Blöde Kuh" musste man offensichtlich hinnehmen. Also verdeutlichte ich mir immer wieder: du bist in 12/4a und somit sind deine Rechte eingeschränkt und somit kann man mit jemanden natürlich anders umgehen. Der ruhende Pol war der Psychologe, aber auch nur die zweimal, in der er mich für ein kurzes Gespräch holte. Wegen meiner Problematik bekam ich das Angebot, jederzeit bei ihm Anklopfen zu dürfen. Hatte ich mich mal Durchgerungen, "Pieps" zu sagen, war i.d.R. keine Zeit: Notaufnahme, Übergabe - die sich seltsamerweise zeitlich offenbar immer wieder änderten. Erwischte ich mal jemanden zwischendurch, der offensichtlich kurz Zeit hatte, war ein genervtes Gesicht schon "normal". Man wurde sehr leicht mit T.a.v.o.r abgespeist, also lieber T.a.v.o.r verabreicht, denn für ein Gespräch war ja offensichtlich keine Zeit. Hatte es jemand auf Bedarf eingetragen, durfte man selbst die Menge bestimmen. Einmal war ich doch ziemlich verzweifelt und wollte das Angebot des Psychologen annehmen. Ich ging vor seine Tür und wollte schon klopfen. Da fiel mir ein, dass morgens schon zweimal Staatsanwalt, Richter & Co. da waren. Also wollte ich ihn nicht auch noch nerven und ging wieder, holte eine T.a.v.o.r und schlief sie aus. Wer weiß, wie lange ich noch dort gewesen wäre, wenn ich vormittags keine BT gehabt hätte. Das ist alles keine Erfindung oder Übertreibung. In Kaufbeuren lernte ich eine kennen, die in Haar auch schon des öfteren war und das jeweils bestätigen konnte. Sie erzählte, wer darin geschickt gewesen wäre, hätte leicht 5 mg T.a.v.o.r/d sammeln können.

Schließlich wurde ich endlich verlegt: Haus 30. Dort war das Chaos hoch drei. T.a.v.o.r wurde grundsätzlich den Gesprächen vorgezogen (außer vom Stationsleiter und einer bestimmten Pflegerin). Nach 2 d fiel mir ein, nach meinem Bezug zu fragen. "..., die ist jetzt aber 6 w in Urlaub" - toller Bezug, aber wofür gab's ja T.a.v.o.r!?! Wer bei der Essensausgabe nicht sofort da war, wurde vor Augen gehalten, dass man doch eine 26-h-Schicht hatte. Kam der Einwand, dass man sich abmeldete (Therapie etc.), weshalb man nun mal nicht Punkt 12.00 h da sein konnte: "Ach so, das ist natürlich was anderes." Dass in der Schicht 8 h Schlaf mitgerechnet wurde, wurde natürlich nicht betont, aber jeden Abend, wenn sie sich zurück zogen, eindringlich darauf aufmerksam gemacht wurde, dass man doch schlafen und nicht geweckt werden wolle. Im Prinzip hätte doch alles Zeit bis zum nächsten Morgen. Wer traute sich da schon, sich zu melden!? Zudem wurde von 8.00-11.30 und 13.00 bis 16.00 h die Zimmer geschlossen. Wer keine Therapie hatte und es draußen regnete und kalt war, musste darum betteln, eine Ausnahme zu machen und in den Aufenthaltsraum gehen zu dürfen. Das traf wiederum nur auf die Nichtraucher zu. Wer Rauch vertrug wurde ansonsten ins Raucherzimmer verwiesen.

Apropo Aufenthaltsraum: eine meiner Bettnachbarinnen schnarchte sehr laut - es halfen keine Ohrenpaks (oder wie sich das schreibt). Die erste Nacht wanderte ich aus: ich nahm mein Bettzeug, schlich mich vom ersten Stock ins Erdgeschoß in den Aufenthaltsraum. Wie ich später erfuhr, ist der normalerweise abgeschlossen. Jedenfalls legte ich mich auf eine Couch. Vorher hatte ich noch das Fenster gekippt. Ich konnte es kaum glauben: ich hörte sie schnarchen. Ich lag genau in dem Raum unter "meinem" Zimmer. Dass das Personal stocksauer war kann man sich ja vorstellen - wer wandert schon aus? Was da hätte alles passieren können! Für die nächsten Nächte konnte ich mir dadurch wenigstens eine Zolpidem "erbetteln". ;) Bevor ich jedoch die Tablette erhielt, sagte mir die von allen "geliebte" Pflegerin, dass ich ihr sagen soll, sie soll weniger essen, dann würde sie auch abnehmen und dann würde sie auch nicht schnarchen und andere stören. - Wie bitte? Bei solchen verwunderlichen Sachen glaubte ich ja immer schön naiv, dass das sicherlich irgendeinen Sinn hätte. Aber in dieser Wortwahl konnte ich es ihr nun wirklich nicht sagen. Habe mich vorsichtig heran getastet und so erfahren, dass sie eine Stoffwechselkrankheit hat, weshalb sie nicht abnehmen könne. Zum Glück habe ich ihr noch nicht gesagt, dass sie das tun solle.
In der ersten Nacht von Samstag auf Sonntag war die nicht im Bett - wer macht sich da schon Gedanken, schließlich fuhren die meisten am WE heim. Als ich meldete, dass ich die Zolpidem die Nacht nicht brauchte (musste ich machen), meinte die Pflegerin gleich, dass es nicht sein könne, dass sie nicht da wäre. Irritiert sagte ich, dass ihr Bett noch genauso aussieht wie gestern und ich sonst auch die erste bin die aufsteht und so hätte sie mir irgendwann begegnen müssen. - Sie dürfe gar nicht heim. Sie war also abgängig. Ich glaubte es nicht, als die Pflegerin sagte, ich wäre schuld. Ich hätte Bescheid geben müssen, das wisse man doch. (Äh, davon stand weder was in der Hausordnung noch wurde beim Aufnahmegespräch etwas in der Richtung gesagt.) Als sie schließlich an einem Bahnhof gefunden wurde und sie so abwesend war, stellte sich heraus, dass sie einen kleinen Herzinfarkt hatte. Ja und wieder - es wäre meine Schuld, wenn ich Bescheid gegeben hätte, hätte sie viel früher gefunden worden. Wer weiß, wann sie den bekommen hat, man hätte sie evtl. rechtzeitig finden können. Und und und. Sorry, ich kann's immer noch nicht glauben.

Abgängig waren sowieso immer wieder mal welche. Andere "verschwanden" nach dem Aufwachen. Klar dass fast alle Patienten Bescheid wussten. Einer, der eine Depot hatte, war von einer Therapie zur anderen weg. Erst galt er als abgängig. Irgendwann tauchte er wieder auf, holte sich den nächsten "Schuss" ;) und "besuchte" uns im Garten. Wir wollten natürlich wissen, was los ist. Er wäre heimgefahren, er will sich seine Nerven schonen. Irgendwie war es schon lustig, was sich mancher einfallen ließ. :lol:
    Z.B. durfte einer das erste Mal über Nacht heim. Ihm war das schließlich zu unheimlich, schaffte es nicht, dort zu übernachten und fuhr deswegen in die Klinik zurück. Nachts. Zufällig war von den Rauchern einer da und ließ ihn dann durchs Fenster des Raucherzimmer's rein. Donnerwetter war schon vorprogrammiert. Oder: weil wir ja im Prinzip nicht wirklich einen Bezug hatten und Suizidgedanken sowieso ein Thema, dem man lieber mit T.a.v.o.r auswich. Auf jedenfall waren ein paar fertig und während wir im Kreis sitzten, konkretisierte sich das Thema immer mehr. Irgendwann meinte einer, ob wir nicht offen reden. - Allgemeine Zustimmung. - Wen es vermutlich triggert, solle lieber jetzt gehen. - 3 gingen. Es mag für einen Außenstehenden furchtbar makaber anhören: jeder erzählte, wieso er in die Geschlossene kam, über das WIE - in Einzelheiten natürlich - , welche Gefühle und Gedanken einen so durch den Kopf gingen und amüsierten uns prächtig. Rabenschwarzer Galgenhumor. Vermutlich nicht nachvollziehbar, aber es tat uns gut. Diese "Suizidrunde" beraumten wir einmal noch ein.
Als ich mal die Kellertreppe 'rauf fiel, schlug ich mir das Knie an der Metallleiste der Stufen auf. Dass mir das ohne Umstände desinfiziert werden konnte, war schon verwunderlich, vermutlich hängte das auch zusammen, dass eine gütigere Pflegerin Dienst hatte. Nach ein paar Tagen nach dem Abklingen der Schwellung wurde ich verwundert darauf hingewiesen, warum ich humple. Weil es schmerzte, warum sonst. Ich bat darum, dass mir ein Termin beim Orthopäden vereinbart werden könne - das durfte man als Patient nicht, hab's extra ausprobiert. Die Fachärzte kamen nur einmal in der Woche. Um meine Ruhe zu haben, versuchte ich vor dem Personal so wenig wie möglich zu humpeln. Dann kam endlich der Dienstag - der Termin wurde abgesagt, weil es anscheinend keine Probleme gab. Innerlich stocksauer bettelte ich um einen neuen Termin - "So was dauert doch keine 3 w." Natürlich nicht, aber deswegen wollte ich ja jetzt erst recht einen Termin, offenbar stimmte was nicht: keine Schwellung, keine blauen Flecken, aber Schmerzen. Lediglich die Physiotherapeuten glaubten mir das, "das sieht man ja, wie Sie sich bewegen". Auch meine Krankengymnastin merkte, dass das nicht "normal" ist und unbedingt auf den Termin bestehen solle. Tja, und der Orthopäde diagnostizierte einen Schleimbeutelriss (oder so ähnlich). Nach seinen Worten: "Man sieht nichts, kann aber sakrisch weh tun." Endlich jemand, der mir glaubt! Ich bat, dass ich das sofort schriftlich mitbekomme. Kein Problem. Er gab ein paar Tipps zur Übung, meine Kranken- und Physiotherapeuten (bei der Rückenschule bekam ich halt Tipps, wie ich manche Übungen mitmachen kann, ohne das Knie zu belasten) versuchten das aufzuteilen und wann ich selbst alleine dort was machen kann.

Dazwischen kam es mal vor, dass ich aus ganz anderen Gründen eher zu einer Therapie oder Abends spazieren ging: Suizidgedanken. Als ich dann irgendwann erfuhr, den Termin bei der Psychologin müsse ich selbst ausmachen (toll, bei anderen darf man das nicht) und zu ihr kam, erzählte ich ihr davon. Ich fragte, ob es reiche, dass ich ihr das sagte oder ob ich das unbedingt dem Personal melden muss. Ja, melden. Schweren Herzens und auf alles mögliche gefasst - evtl. wieder auf 12/4a zurückzukommen - sagte ich es der diensthabenden Pflegerin. "Hätten Sie doch was gesagt! Warum kommen Sie nicht zu uns?" - Sehr witzig, wann denn? In der 26-h-Schicht war doch keine Zeit für Gespräche. Abgewimmelt wurde man mit T.a.v.o.r. Die Ärztin sagte mir zwar anfangs schon, ich könne immer bei ihr anklopfen, auch wenn das Schild "Bitte nicht stören" an der Tür hinge. Wie denn, wenn sie raus kam und von Fragen bestürmt wurde, sie durch die Patienten mit erhobenen Händen ging: "Hab heute absolut keine Zeit, Sie wissen doch, wann Sie Visite haben." Ich hatte das Glück, wöchentlich dran zu kommen, normal war zweiwöchentlich. Hatte die erwähnte Pflegerin Schicht, wurde ich bei der Abholung der Medikamente gefragt, ob ich reden wolle. Da war das Vertrauen aber schon kaputt und zog nun selbst T.a.v.o.r vor.

Als das Triezen an dem Patienten immer mehr wurde, brauchten wir uns immer intensiver. Jeden Nachmittag und Abend im Garten im Kreis - nicht weil es da so schön war (ist es aber schon), sondern weil jeder Zuhörer brauchte. Seine Schmerzen von der Seele reden, nicht nur T.a.v.o.r schlucken. Diesen Zustand kann man sehr schwer beschreiben. Es war einfach eine bestimmte Abhängigkeit zu den Mitpatienten da. Nun nahm ich mir bei der nächsten Visite vor, das vorzutragen, weil es immer mehr drückte. Ein entsetztes "Wie, was?" Sollte ein Beispiel nennen. Welches denn von den 4 Wochen? Es sind so viele! Das, was gestern oder heute war? Den schlimmsten Fall? Was nur mich betraf? Was die Patienten als Gesamtheit betraf? Eines führte ich schließlich auf, was uns alle betraf. Sofort: "Nein, kann nicht sein. Kann nicht stimmen!" Sowohl die Ärztin als auch der Sozialpädagoge und noch jemand. Die anwesende Pflegerin war irritiert, ich beruhigte sie, dass wir mit ihr noch nichts erlebt haben und es momentan auch nicht vorstellen können. Das lief halt ab, während sie im Urlaub war (war aber nicht die Bezugsperson). Aber es blieb dabei: nein, kann nicht sein, also ist es auch nicht. Aber damit hatte die Ärztin das Vertrauen sofort zunichte gemacht. Es wurde angesprochen, was ich von einer Verlegung halte und solle mir dies bis nächste Woche überlegen. Also verstand ich das natürlich so, dass ICH über ein ja oder nein zu entscheiden habe. Für mich stand ein "ja" schon fest. Als am Donnerstag eine Pflegerin die Zimmer nachmittags absperren wollte, sagte sie mir, dass ich am Wochenende heimfahren müsse. Ginge aus finanziellen Gründen nicht. Das, was mein Mann durch Zeitungsaustragen verdient, geht an Spritkosten drauf. Ich könne nicht am Sonntag zurück, sondern erst mittwochs. NEIN, Sie fahren - das muss jeder, bevor er verlegt würde. Auf meinen Einwand, dass ich mich darüber noch gar nicht geäußert habe, meinte sie, dass das für alle schon Anfang der Woche feststand, dass ich montags verlegt würde. Ich konnte mir die Frage einfach nicht verkneifen, warum mir dann die Wahl überlassen wurde. Kein Kommentar. Stocksauer ging ich in die nächste Therapie. Danach rief ich meinen Mann an, er soll ein neues Krankenhaus suchen. Was näher lag: Landsberg, Augsburg, Kaufbeuren - da ich in eine Psycho-Somato verlegt werden sollte, nach so einer Station fragen. Fast stündlich rief ich an. Schließlich stand Kaufbeuren fest, auch der Termin.

Einen Tag später war ich bei der Psychologin ziemlich kurz angebunden. Sie habe nichts in der Visite gesagt, warum nicht. Ihr täte das sehr leid, sie kann mir nur zu stimmen. Sie hat 3 Häuser zu betreuen und die, die von Haus 30 zu ihr kommen, kommt sie nicht nach, das auszugleichen, was das Personal kaputtmacht. Sie möchte erreichen, dass ich so schnell wie möglich zu ihr ins Haus (psycho-somatisch) verlegt werde. Für die Patienten ist sie ja primär da. Erleichtert, dass es Außenstehende auch auffiel. Ich berichtete von meinen Plänen. Sie stimmte dem zu und wolle mich darin auch unterstützen. Stabil genug halte sie mich und wenn es nur ein paar Tage sind, in denen ich daheim bin. Danach, ich kann schon sagen, siegessicher kam ich zurück. Mir konnte nichts mehr geschehen. Egal was das Personal sagen würde, ich fahre am Samstag heim. Ich brauchte mich nicht mehr verstellen, um meinen Frieden zu haben. So ging ich ins Behandlungszimmer und bat die Pflegerin, ihr kurz was mitteilen zu dürfen. Keine Zeit. Bevor ich mich umdrehte: "Na gut, richten Sie die Medikamente für die nächsten 3 d her, ich gehe morgen." Auf einmal war doch etwas Zeit da. Wieso, warum usw. Das gröbste, was nur sie betraf und das Pflegepersonal als Gesamtheit, sagte ich ihr. Auf Einwände ließ ich mich nicht mehr ein. Ich wusste gar nicht, dass ich so streng gegenüber Erwachsene sein konnte. Dann hieß es packen. Zum Abendessen konnte die kleine Clique nicht erwarten zu erfahren, wie das Personal reagiert hatte. Statt zu viert, saßen wir zu sechst an einem Tisch - und hatten unseren Spaß. Natürlich hieß es gleichzeitig, am restlichen Abend den anderen Mut zu machen, damit nicht der nächste als abgängig gemeldet werden muss.

BKH Kaufbeuren: Ist es verständlich, weshalb ich in absoluter Skepsis dem Pflegepersonal in Kaufbeuren entgegentrat, erst mal Sätze über Nacht zu formulieren suchte, damit in keiner Richtung etwas nur annäherungsweise missverstanden werden könnte? Als ich wieder die Treppe 'raufflog - diesmal aufs andere Knie - halb in Panik ausbrach: soll ich's melden oder nicht? Wenn ja: gelte ich dann als wehleidig, sprich nicht glaubwürdig; wenn nein: was, wenn mehr ist und es Schwierigkeiten mit der Krankenkasse auftreten könnte - warum haben Sie nichts gesagt! Der Gedanke an Schwierigkeiten ließ mich überwinden, es zu melden. Natürlich gab ich sämtliche Möglichkeiten an, was sein kann: nichts und lediglich blaue/r Fleck/e auftreten oder sogar gar nichts, es blute ja schließlich nicht mal; aber auch die Möglichkeit mit Schleimbeutelriss und bedenken wegen der Krankenkasse, sonst hätte ich nichts gesagt. Aber ich kann nach ca. 15 Min. halt nicht sagen, was es ist. Na, sie beruhigte mich erst mal mit dem Hinweis, dass ich in Kaufbeuren und nicht mehr in Haar bin. Langsam merkte ich, dass das Personal nicht so zu scheinen ist, wie ich befürchtete. Trotzdem ging ich in der vierten Nacht zum Pfleger und teilte mit, dass ich mittlerweile kein Vertrauen ins Personal haben könne und mich auch nicht melden werde. Der Satz war wohl unüberlegt, könnte persönlich aufgefasst werden - nach Haar-Haus-30-Erfahrung -, also hängte ich an, dass das nicht persönlich zu verstehen sei. Tat er nicht. Was er genau sagte, weiß ich gar nicht mehr, auf jeden Fall fiel mir ein Stein vom Herzen. Gleichzeitig erfuhr ich, dass ich 2 Bezugpersonen habe (zuerst wurde mir von meinem "Paten" gesagt, dass ich das selber wählen könne, manchmal entscheiden sie selbst, deshalb wollte ich sie erst mal genau unter die Lupe nehmen). Ich hatte zwar die ganze Zeit über Probleme, mich denen etwas anzuvertrauen; bei einem hätte ich überhaupt keine Probleme gehabt, er wurde jedoch versetzt, da die Station darunter zu wenig Personal hatte. Mit dem Psychologen hatte ich auch keine Probleme, auch wenn ich ein paar Mal in der Halboffenen gelandet wäre. Klar, für die Kaufbeurer war ich 4 m dort, aber ich war ja schon 2 m in Haar und lediglich 6 d daheim - ob ich die nun als Wochenende dort verbracht hätte oder nun am Stück - es zählt für mich eigentlich nicht. So hatte ich wenigstens die Möglichkeit, Luft zu holen.

So, jetzt werde ich lieber wieder schließen, bevor alles hochkommt und wieder durchdrehe. Das kann ich mir nun mal jetzt nicht leisten. Mir geht es im Moment direkt "gut" - also keine S*-Gedanken. Jetzt bin ich hundmüde und werde mich mal hinlegen. Meine Katze hat sich's schon unter'm T-Shirt gemütlich gemacht und wird gleich motzen. :)

LG, Manuela
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Beitragvon Grau » 03 Okt 2006 16:55

Geschrieben Freitag, Juli 22, 2005 @ 17:28:26

Liebe Manuela,
das ist grauehhaft, was du schilderst.
Ich bin nie in einer Klinik gewesen, eine Ärztin wollte mich schicken, aber ich habe es immer vehement abgelehnt. Zwischendurch habe ich immer wieder gedacht, es wäre doch gut gewesen für mich. Ich habe mich mit dem Alltag oft sehr gequält und meine ganze Kraft damit vertan zu funktionieren. Darüber hinaus war ich lange Zeit sehr suizidal.
Wenn ich deinen Bericht lese, sehe ich aber die andere Seite: Dass Krankenhausaufenthalte auch etwas krankmachendes haben können. Ich glaube, ich hätte das nicht ausgehalten.
Hut ab vor deiner Courage.
Grau
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Beitragvon Dendrit » 03 Okt 2006 16:56

Geschrieben Montag, Juli 25, 2005 @ 14:58:10

Liebe Grau,

ich war schon öfters in Kliniken und war meist zufrieden. Aber das schoß den Vogel ab, daran knabbere ich halt immer noch. Mein schönster Klinikaufenthalt - so seltsam es sich anhört - war der in der Psychiatrie (Geschlossene) der Uni-Würzburg. Werde mich mal hinsetzen und darüber schreiben, damit man auch einen Einblick in sehr angenehme Klinik(en) und liebevoller Umgang Bild bekommt.

Bis bald

Manuela
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Beitragvon Grau » 03 Okt 2006 16:57

Geschrieben Montag, Juli 25, 2005 @ 16:47:34

Liebe Manuela,
ja, das würde mich interessieren, wie du die guten Aufenthalte beschreibst.
Würdest du sagen, dass BKH Haar die Ausnahme war? Oder eher das Extrem von den vielen, die auch nicht gut waren?
Viele Grüße, Grau
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Beitragvon Dendrit » 03 Okt 2006 16:58

Geschrieben Montag, Juli 25, 2005 @ 19:53:55

Liebe Grau,

also was ich so von anderen mitbekam, war Haar eine Ausnahme. Klar liegt viel an der Freude des Berufs, manchmal auch der Entusiasmus des Personals und Ärzte und die individuelle Empathie eine große Rolle. "Aber" als Patient ist meist der Umgang der Mitpatienten wirklich ausschlaggebend. Sie können eine riesige Stütze sein. Von meinen 7 oder 8 verschiedenen Kliniken (bei manchen mehrmalige Aufenthalte) hätten zwei besser sein können, aber da war ich hauptsächlich nicht wg. der Psyche und so gings. In den 3 Kliniken auf 7 verschiedenen Stationen, die die Depression betrafen, war Haar mit 1 Klinik und 2 Stat. das krasseste. Ich werd mich morgen an den Text von der Uni-Psychiatrie WÜ 'ranmachen.

Bild Gute Nacht

Manuela
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Beitragvon Grau » 03 Okt 2006 16:59

Geschrieben Dienstag, Juli 26, 2005 @ 17:04:27

Liebe Manuela,
hast du denn dauerhafte Kontakte zu Mitpatienten knüpfen können, oder ging es mehr um das momentane, gemeinsame Bewältigen der Krise und des Aufenthaltes? Hat dir das Ausschalten des Alltags gut getan oder war es doch mehr die Therapie in der Klinik? Oder am Anfang mehr das Ausschalten und dann die Therapie? Welche Therapie hat dir am meisten geholfen, ich meine, zB Gruppe, Einzel, Ergostherapie?
Bin gespannt auf deinen Bericht über WÜ.
Ich hoffe, dir ist meine Fragerei nicht zuviel.
Viele Grüße
Grau
Grau
 

Beitragvon Dendrit » 03 Okt 2006 17:00

Geschrieben Mittwoch, Juli 27, 2005 @ 08:58:53

Liebe Grau,

Fragen kann man bestimmt nicht zuviel. Also:

Kontakte zu Mitpatienten: anfangs glaubte ich, solche Beziehungen können dauerhaft sein. Das sind jedoch Ausnahmen, aber es kann besonders schön sein. Es ist nicht bös' gemeint, aber auch hier trifft das Sprichwort zu: "Aus den Augen, aus dem Sinn." Jeder hat einen anderen Alltag, Probleme etc. Wie Du schreibst, ist es vordergründig das momentane, gemeinsame Bewältigen der Krise und des Aufenthaltes.

Ausschalten des Alltags: in meinem allerersten Aufenthalt in der Psychiatrie war das das wichtigste. Mir raste nur noch der Kopf, konnte kaum Schlafen etc. und ich wusste nicht, was das ist. Daheim ging ich ebenso nicht mehr/kaum ans Telefon oder an die Tür. Durch das "Abschotten" brauchte ich kein schlechtes Gewissen haben, dass ich das nicht mehr machte. Zudem konnte ich bestimmen, wer anruft oder kommen darf.

oder ... die Therapie in der Klinik:

  • bei der Ergo-/Beschäftigungstherapie (vornehmlich Seidenmalerei) konnte ich mich richtig ausklinken. Ich bekam zwar das Umfeld während der Therapie schon mit, manchmal dachte ich auch darüber nach, warum ich hier bin, aber es war nicht belastend. Manchmal unterhielten wir uns zusammen. Für mich war das immer was besonderes, wichtiges und nötiges - manchmal sogar mehr als das Essen.

  • bei der Körper-/Entspannungstherapie war die "erzwungene" Ruhe mit der Entspannungsmusik auch gut, um den Gedanken freien Lauf und die Fantasie aufleben zu lassen. Als es mir sehr schlecht ging, traten nicht nur einfach so Suizidgedanken auf, sondern durch die fantasievolle Ausmalung auch sehr extrem. Dazu muss ich aber sagen, dass ich immer zu feig war, aufzuhören - was man jederzeit hätte tun können und auch jedes Mal gesagt wurde - und/oder mit der Therapeutin gleich oder danach mit dem Bezug zu reden. Zu dieser Störung hat vornehmlich das BKH Haar Haus 30 beigetragen. Was mir auch an der Therapie gefiel, dass auch versucht wurde, mal kindisch zu sein - das innere Kind zu wecken. Wir machten also auch ein paar Spiele.
  • Frühsport ... mit Dehnübungen: machte ich am liebsten. Ich hatte/habe das Problem, wenn ich schwitzen anfange, dass zwar der Körper klitschnass ist, die Extremitäten eiskalt und Schmerzen sich von der Schulter über den Hals Richtung Kopf auftraten. Ich wusste nicht warum, keiner kannte das und war nicht nachvollziehbar. Später erfuhr ich, dass dort bei manchen die Nerven ziemlich oben liegen und bei nervlicher/psychischer Anspannung diese angespannt sind und das bei Kälte noch intensiviert wird. Deshalb hasste ich es, wenn der Sport draußen war oder Übungen drinnen gemacht wurden, bei denen ich schwitzte. Dehnübungen fand ich entspannend, ich genoss sie direkt - während andere mich dafür an die Wand klatschen konnten. Bild Viele - jung und alt - sind äußerst steif. Aber im Laufe der Zeit wurde jeder flexibler; gab es Probleme, bei der andere Ursachen die Probleme waren, änderte man für sich die Übung ab oder ließ sie einfach aus.
  • weitere Therapien: Mannschaftssport "schwänzte" ich wg. dem Problem mit dem verspannten Nacken. Meist lief aber noch das Gespräch mit dem Psychologen zu diesem Zeitpunkt. Es gab noch Maltherapie, aber das war für eine andere Patientengruppe: die für psychotherapeutische Therapie, ich war Krise-Patient.
  • Gesprächstherapie: in einer Klinik gab es Gruppengespräche. Es war zwar interessant, aber da hatte ich ein Problem: die Selbsthilfegruppenleiterin steckte noch immer in mir und "musste" infolgedessen bei Pausen einen Gedanken finden, um das Gespräch weiter zu führen.


Ich sollte lernen, einmal nichts sagen zu können/müssen. In einer anderen Klinik nannte sich das "Gesprächsrunde": ein vorgegebenes Wort wurde in dessen "Bestandteile" zerpflückt und zu welchen Assoziationen es führte. Ich fand, dass das sehr interessant ist, wie groß der Sprachschatz ist, aber kaum benützt wird. Auch hier kamen Pausen auf und fühlte mich äußerst unwohl, wenn mir nichts einfiel. Und auch hier hielt mich der Psychologe an, zu lernen, schweigen auszuhalten.

Jetzt habe ich etwas ausgeholt, über das wieso und warum, aber um Deine letzte Frage einfach zu beantworten: die Ergotherapie und Gesprächsrunde haben mir am meisten von den Therapien gebracht. Ich habe gestern eine Zusammenfassung der Klinikaufenthalte geschrieben, die ich allgemein hatte. Für die besonders positiven werde ich dann noch einen Extra-Thread aufmachen, damit es gleich schön getrennt gesehen werden kann, dass es besonders positive als auch besonders negative Erfahrungen erleben kann/muss.

LG, Manuela
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Beitragvon Dendrit » 03 Okt 2006 17:01

Geschrieben Mittwoch, Juli 27, 2005 @ 09:08:43

Durchschnittliche Krankenhausaufenthalte

1973 Kreiskrankenhaus Schongau, 10 Tage, Geburt: kann mich an gar nichts erinnern Bild

1980 Kreiskrankenhaus Landsberg, Kinderstation, 1 Woche, Lungenentzündung. Kann mich lediglich daran erinnern, dass ich nicht verstand, warum ich mich nicht zudecken durfte, obwohl es mich nachts so fror - wg. Fieber (ob das immer noch so ist, weiß ich nicht) und das ekelhafte Fiebermessen. Bild

1982 Kreiskrankenhaus Landsberg, Kinderstation, 1 Woche, Mandel- und Polypenentfernung. Nach der OP hatte ich am Tropf 'rumgespielt, damit er schneller laufe - bekam deswegen eine Spritze (eiterfarben), keine Ahnung was und für was es war; es gab jeden Tag Eis!!

1984 Kinderkrankenhaus Josefinum, Augsburg, Neurologische Abteilung, 6 Wochen, Diagnostizierung von einer Epilepsie. Die Stationsschwester war eine Nonne und ich konnte sie nicht leiden - und glaubte, alle Nonnen wären so komisch. Ob sie wirklich so schrecklich war, weiß ich nicht. Jedenfalls begann durch die empfundene Überbemutterung die "Entwicklung" meiner Maske. Medikationseinstellung. Erste depressive Symptome wurden bemerkt.

1984 Kinderkrankenhaus Josefinum, Augsburg, Neurologische Abteilung, 2 Tage, Oxford-EEG. War unheimlich interessant, wenngleich ich mich mit einer Zimmernachbarin nicht verstand. Mit der Nonne kam ich immer noch nicht klar.

1986 Kinderkrankenhaus Josefinum, Augsburg, Neurologische Abteilung, 6 Wochen, Verschiedene EEG-Ableitungen (Routine + Langzeit). Mit der Nonne kam ich immer noch nicht klar. Lernte Bruchrechnen in der "Klinik-Schule"; wg. Rücken 1x/w schwimmen - machte Spaß! Depression. (Nach dem Aufenthalt diagnostizierte der HA Schulangst-Syndrom.

1992 Klinikum Großhadern der LMU, München, Stat. H8, 8 Wochen, von Kopf bis Fuß durchgecheckt (u.a. verschiedene bildgebende Untersuchungen), Medikations-/Dosisanpassung. Bei MRT und CT schlief ich jeweils ein. Zu den Patienten gab es kaum Kontakt, "man" lag lieber in seinem Zimmer oder war im Park. Der ist sehr schön und mittlerweile vergrößert angelegt. Ich kannte vom Krankentransportdienst einige, die ich untertags besuchte. Da ich die Durchwahlnr. angegeben habe, konnte ich auch zu den Zeiten hingehen, bei denen man lieber auf Station bleiben sollte, falls eine spontane Untersuchungsmethode ermöglichte. Beim KTD lernte ich Feinheiten zu Kniffel, Dame, Mühle, Rommé, Watten (was vergessen?). Das Personal war auch toll. Mit einer Krankenschwester freundete ich mich etwas an, wir hatten einiges gemeinsam: Epilepsie und die damit verbundenen persönlichen Probleme/Empfindungen. Meine Ansprechärztin war sehr lieb.

1992 Klinikum Großhadern der LMU, München, Stat. H8, 6 Wochen, Kontrolluntersuchung wg. abweichendem EKG aufgrund eines gastrointestinalen Infekts. Die selben Ärzte, Personal und die Möglichkeit zum KTD gehen. Bei einem Schlafentzugs-EEG durfte ich nachts am PC des Stützpunkts am PC mit einem Spiel die Zeit vertreiben.

1992 Klinikum Großhadern der LMU, München, Stat. H8, 6 Wochen, Kontrolluntersuchung wg. abweichendem EKG aufgrund eines gastrointestinalen Infekts. Beginn einer Medikamentenstudie - dem heutigen Levetiracetam - und so Medikations-/Dosisanpassung. Die Kognitionsübungen machten mir am meisten Spaß. Die selben Ärzte, Personal und die Möglichkeit zum KTD gehen.

1996 Klinikum Großhadern der LMU, München, Stat. H8, 1 Wochen, Video-EEG zur Differentialdiagnostizierung. Da ich in einem Zimmer "angekabelt" war und es so nicht verlassen konnte, rief ich intern zum Stützpunkt anstatt nach dem Personal, z.B. wg. Wasser, zu klingeln. Das gefiel ihnen: sparten sich so einmal den Weg, was angesichts der heißen Temperaturen des Sommers angenehmer war. Den Ansprecharzt konnte ich nicht leiden. Aber ich wusste, ich bin nur solange bis zu einem Grand mal da und da versuchte ich freundlich zu sein. Beim Leiter bzw. OA faszinierte mich die milde Stimme und angenehmen Umgang mit den Patienten. Die befreundete Krankenschwester war nicht mehr in der Klinik - ihr kleines Mädchen hatte was dagegen, dass die frischgebackene Mami arbeiten ginge! Bild

2002 Epilepsiezentrum Mara I der Bodelschwingh'sche Anstalten in Bethel-Bielefeld, Stat. 2a, 6 Wochen, Medikamentabsetzung. Mit der Stationsärztin kam ich nicht klar. Sie hatte 2x/w Sprechstunde: 1x in der großen (mit OÄ und ein paar vom Personal) und für diejenigen, die ihre Patienten waren oder "auf Bedarf". Da ich einen anderen OA und soweit keine weiteren Probleme, ging ich zur "kleinen Visite" nie hin. So, jetzt muss ich etwas Ausholen.

In dieser Zeit wurde ich immer depressiver und die somatischen Schmerzen/Symptome wurden immer schlimmer. Mit meinem Epileptologen vereinbarte ich, dass ich auf Bedarf eine bestimmte Dosierung von C.l.o.b.a.z.a.m (F.r.i.s.i.u.m) nehmen könne, da ich mich gegen L.o.r.a.z.e.p.a.m (T.a.v.o.r) weigerte. Für mich waren die, die L.o.r.a.z.e.p.a.m nahmen, (extrem) psychisch Kranke - was ich (nach meinem damaligen Empfinden) ja überhaupt nicht war. Dazu musste ich mehrmals meinem Epi-Doc in die Hand versprechen, mir nichts anzutun. OK, in der Klinik wollte ich von der Vereinbarung Wissen lassen. Diese Ärztin tat alles als Blödsinn ab. Das verstand ich nicht, ich habe ja schließlich schon die positive Auswirkung verspürt. Sie wollte nicht mit sich reden lassen. So blieb, wie es mir psychisch ging, außen vor und wussten somit nichts davon. Außerdem hatte sie meinen Arzt angegriffen, zu dem ich mittlerweile blindes Vertrauen hatte. Ich empfand es als Angriff auf meine Person.

Gerade neu angekommen, hatte ich noch keine Mitpatienten, mit denen ich besonders klarkam. Mir fielen natürlich lediglich die auf, um die man besser einen Bogen machte - sie mobbten gern. Aber ich wusste, dass es lediglich eine Frage der Zeit zur Entlassung war. So lief ich nach dem "Angriff" auf meinen Arzt erst mal in Dusche/WC-Raum, brach innerlich zusammen und saß heulend vor einem Stuhl. So schnell und intensive Suizidgedanken hatte ich bis dahin noch nie. Um sie umzusetzen müsste ich an den Patientenpulk vorbei - die mich sicher heulen sahen - ins Zimmer und wieder zurück. Das konnte ich nicht. So ging ich "lediglich" ins Zimmer legte mich hin und weinte mich in den Schlaf. Ein oder zwei Wochen später wollte ich den nächsten Suizidplan umsetzen. Ich ging ins Zimmer und wollte meinen Epi-Doc anrufen und ihm sagen, dass ich das Versprechen nicht einhalten könne. Hatte den Telefonhörer schon in der Hand, da fiel mir ein, dass mir noch was fehle und es nicht mehr holen könne. Also heulte ich mich erst mal wieder in den Schlaf. Das Personal? Das war irgendwie schwierig. An für sich streng, ein paar Patientenorientiert.

Peinlicherweise musste ich feststellen, dass ich unbewusst bei Epileptologen war, die dort in Mara ihre Laufbahn begonnen und mittlerweile einen Namen hatten. So konnte ich mir manches ohne "Anschiss" erlauben - ich erfuhr jedoch erst jedesmal hinterher, dass das nicht "erlaubt" war. Z.B. auf den Stuhl steigen (wollte am TV was machen, der an der Decke hing). Wg. der Anfallsgefährdung auf so einer Station war es einfach grundsätzlich verboten, wie noch einige andere Vorsichtsmaßnahmen gegeben waren. Das war mir natürlich dazu noch peinlich, dass ich anders als die anderen Mitpatienten behandelt wurde, denn ich sah ja, wie - besonders eine - so überkritisch reagierte und teilweise eine Behauptung in den Raum stellte, bei der man erst mal sprachlos war. Aber gesamt genommen ging es.

Mittlerweile war ich einer Clique von 4 oder 5 Leuten. Einer erzählte mir mal, dass er auch schon Suizidgedanken hatte. Da er sich mal entschuldigte, vor dem Schlafen nochmals in den Keller zum Wäschewaschen gehen, ging ich vor ihm runter. Ich wollte einfach mit jemanden reden - und was lag auf der Hand, mit jemanden Betroffenen reden zu können. Denn so bestand das Vertrauen zum Personal auch nicht, außerdem war alles zu neu. Doch er kam nicht, hatte es vergessen. Nach einer halben Std. warten ging ich schließlich wieder auf Station und ins Bett. Die nächsten Tage hatte einer Nachtschicht, mit dem ich spontan hätte reden können. Er kam sogar in den Aufenthaltsraum und unterhielten uns so. Als ich dann am nächsten Abend den Schritt wagen wollte, ihn darauf anzusprechen, war sein Dienst wieder zu Ende. Das passierte nochmals und dann ließ ich es. Eine damals 19-jährige Mitpatienten bekam nachts mal mit, dass ich mich im Wintergarten verzogen hatte und nur heulte. Grob hörte sie mir zu, alles konnte ich ihr ja nicht erzählen, sie hatte selbst sehr große - soziale - Schwierigkeiten. Aber es half mir für die nächsten Wochen. Irgendwie konnte ich daheim mit niemanden reden, ich wusste nicht wie und was ich sagen sollte. Bis ich heimkam, hatte sich die Psyche etwas stabilisiert. 6 Wochen daheim und dann am

30.12.2002 in die Psychiatrie der JMU, Würzburg, Geschlossene Abteilung, 8 Tage, Depression. Nach den 8 Tagen wurde ich auf die Offene verlegt, 3 Std. später war ich dann wieder für weitere 10 Tage in der Geschlossenen. Anschließend ca. 3 Wochen

2003 erneute Aufnahme in die Psychiatrie der JMU, Würzburg, Geschlossene Abteilung, 9 Wochen, Depression. Ein Antiepileptikum (Levetiracetam [Keppra]) wurde ausdosiert, um die Triggerung einer Depression ausschließen zu können. Weiteres auch in dem Extra-Thread. Danach wurde ich in eine Offene zur VT verlegt. Da die Stationsärztin auf die Idee kam, meine Epilepsien zu therapieren, brach ich sie nach ca. 2 Wochen ab. Der Hinweis, dass mein Epi-Doc dafür zuständig ist und er nur ein paar Häuser weiter tätig, er ein Fachmann ist, wollte sie nicht gelten lassen. Ebenso, dass die ihrigen Methoden bei meinen Anfallsformen nicht möglich sind bzw. nur unnötiger Zeit- und Nervenaufwand für beide Seiten wäre. Na ja, ich brach ab, sie war sauer, die in der Geschlossenen freuten sich über meinen Entschluss mit und ich meldete mich nochmals im Epilepsiezentrum an.

2003 Epilepsiezentrum Mara I der Bodelschwingh'sche Anstalten in Bethel-Bielefeld, Stat. 2a, 6 Wochen, Eindosieren von Valproinsäure (Orfiril 300 chrono). Da war von Extra-Behandlung seitens des Personals nichts mehr zu spüren. Auf der einen Seite war ich froh, auf der anderen wäre es manchmal eine Erleichterung gewesen. Nun, sie verstanden es, die Patienten so zu trietzen, dass unnötige epileptische Anfälle auftraten. Sie behandelten uns - was sie auch sagten - als wären wir zum Spaß in der Klinik und sie hätten die Arbeit. Was soll daran spaßig sein: Medikamente Ein-/Um-/Ausdosierung mit (evtl.) Anfällen unterschiedlicher Formen, Ausprägungen, Intensität, Häufigkeit? Was ist so toll, dass man nicht allein noch schnell in ein Geschäft gehen kann, weil es gesetzlich für dieses Epi-Zentrum so vorgesehen ist? Was ist so unterhaltsam, einem Personal drängend darauf zu bestehen, einen epileptischen Anfall zu filmen, weil die Aufzeichnung zur Diagnostizierung dringend notwendig war? Was ist amüsierend, aufgrund des Verhaltens die Unabhängigen Patientenbeschwerdestelle einzuschalten, in der Hoffnung, dass sich das Verhältnis bzw. Behandlung verbessert? Während der Besprechung traten bei einer wg. der Aufregung unnötige Anfälle auf. Die Personen des Personals, die i.O. waren, waren nun verunsichert und wussten nicht, wie sie sich nun verhalten sollten. Später erfuhr ich, dass die Mitpatienten die Beschwerdestelle noch mind. 3x einschalteten.

Trotz oder aufgrund des autoritären Verhaltens der - vermutlich - Stationsleiterin hatte auch eine positive Begebenheit gegeben: ich saß mit einigen Patienten im Aufenthaltsraum und begutachteten mein neues Handy, wie was zu programmieren ist, welche Nr. von Mitpatienten neu einspeichern muss. Da kam die Sekretären des "Big Boss" des Epi-Zentrums in die Station. Sah mein Handy. Sie fauchte herein, dass die doch verboten wären wg. der Strahlen und Frequenz, die der Klinik hätten unschädliche und es soll sofort ausgemacht werden. Irritiert erwiderte ich, wenn ich wüsste wo? - Ich hab's ja schließlich angemacht. - Nein, außerdem ist es neu und ich weiß noch nicht, wo bei dem Handy was ist! Ein Mitpatient kam zu Hilfe und schaltete es aus. Die Sekretärin ging. Wir kochten vor Wut. Es war sehr wohl erlaubt. Als sie die Station verließ, ging ich zum Stützpunkt und fragte die Sr., ob es eine neue Anordnung wäre. - Nein. - Wg. der Strahlen bzw. Frequenz? - Nein, außerdem würde es sich nicht korrelieren. Weder die der Klinik noch die normalen Handys beeinflussen irgendwelche Geräte, die sich im Hause befinden. Warum? - Ich erzählte ihr von der Sekretärin. Da kochte sie. Was sie sich einbilde, sie hat auf der Station überhaupt nichts zu bestimmen, sie solle ihren Kram in ihrem Zimmer machen. In ihrer Erregung sah sie auf den Boden und meinte wütend: sie als Personal würden Tropfen von Getränken, die auf den Boden fallen, abwischen, dieser wäre nicht von ihnen und wir Patienten sollen das gefälligst auch tun! Wir? Keiner von uns hatte Kaffee geholt. Die einzige, die in diese Richtung mit Kaffee kam, war die Sekretärin. Hochroter Kopf der Stationsleiterin. Selbstbeherrschend sagte sie zu uns, wenn die die Station betritt, sollen wir ihr sofort Bescheid geben, denn das ließe sie sich nicht gefallen. Sie hat ihre eigene Kaffeemaschine, der hier ist für die Patienten und dem Personal. Sie drehte sich um, ging in ihr Zimmer. Wir sahen uns an, grinsten und ließen den Kaffeefleck in der Hoffnung, die Sekretärin würde nochmals kommen. "Leider" nicht, irgendwer hat ihn schließlich weggewischt. Später ging ich in den Stützpunkt und lobte sie für den Einsatz für uns Patienten - ein Strahlen. Man muss doch mal Mut machen ... wenn's auch nicht lange anhielt, kann man ja im voraus nicht wissen. Verlegung nach den 6 Wo. auf die nächste Station:

2003 Epilepsiezentrum Mara I der Bodelschwingh'sche Anstalten in Bethel-Bielefeld, Stat. 3c, 6 Wochen, Abklärung der Therapieresistenz (evtl. dissoziative Anfälle). Gleich vor weg: der Verdacht wurde nicht bestätigt. Diss. Anfälle sind epileptische Anfälle, die psychisch bedingt und keine Epilepsie sind. Wenn die Umkehrformel gilt, lässt es den Schluss zu, dass ebenso die Depression nicht aufgrund der Epilepsien entwickelt sind bzw. es sich um keine Komorbität handelt.

Arzt: ich hatte denselben, den ich auf der Stat. 2a als OA hatte. Psychologe: sehr nett, ruhig, angenehm. Personal: da waren alle auf per Du. Jeder hatte einen Bezug, Stellvertretende(r) gab es auch. In der Zeit wollte ich einen angebotenen Tanzkurs mitmachen. Aufgrund der psychologischen Therapien wurde ich jedoch immer kraftloser, so dass ich dort nicht mehr hingehen konnte. Tat mir sehr leid, außerdem: bei welchem zahlt man 1,- € pro Abend? Aber ich konnte einfach nicht mehr. Die Therapien überforderten mich ja schon. Einmal lag ich eine ganze Woche nur im Bett - außer zu den Mahlzeiten.

Als einmal wieder starke Suizidgedanken auftraten, schrieb ich das und das WIE nieder und ließ es meinem Bezug hinterlegen (hatte Bereitschaft). Sie kam nach der Übergabe sofort ins Zimmer und wir redeten. Das Zeug dazu solle ich ihr geben. Wg. des Zimmerwechsels am nächsten Tag hatte ich schon die Koffer gepackt. Alles ausräumen wollte ich nun auch nicht. Deshalb kamen wir überein, dass ich die Reißverschlüsse mit den Schlössern versehe und ihr die Schlüssel gebe. Die Tagschicht bekam es und mit meinem Umzug wurde er mir ausgehändigt und nach dem Einräumen brachte ich das "Korpus delikti". Der Stationsleiter brachte mal seine Gitarre mit und während wir um ihn herum saßen und standen, spielte er irgendwas. Teilweise war es "lediglich" eine spontane "Komposition", was oft lustig war.

Wir mussten jede Therapie 2x mitmachen und dann zwischen 2 entscheiden, die wir machen wollten, die gleichzeitig liefen. Theater wollte ich nicht und hatte "Glück": bei den ersten paar war ich nicht, weil ich in der Paralleltherapie war, danach war der Therapeut krank, dann konnte ich nicht, dann war eine Schulung und danach war er wieder krank. Aber er ließ mich nicht Drumherum kommen und spielte in "Hänsel und Gretel" den weißen Vogel. Sorry, manche machen sowas gern, aber ich kam mir so bescheuert vor.

Es war komisch, dass es mir immer schlechter ging obwohl scheinbar nichts sonderliches geschah. Ich denk, es war die ruhige Umgebung, das schöne Verhältnis zum Personal und einigen Patienten und das Vertrauen zum Psychologen, dass er was bewirkte, was ich bis heute nicht so recht weiß. Ich konnte mich fallen lassen. Auf der einen Seite freute ich mich, als es hieß, ich könne die Klinik endlich verlassen, andererseits hatte ich große Bedenken vor dem "Loch", in das man so nach einem Klinikaufenthalt fallen kann. Der Psychologe gab mir den Rat, von allen im Stillen zu verabschieden - egal wie lange ich dazu brauche. Das versuchte ich umzusetzen. Wie bei meinem ersten Aufenthalt nahmen mein Mann und ich einige Mitpatienten zum "Abschiedsessen" in die Stadt mit.

Was mir am wichtigsten war, dass ich mich noch von meinem ehemaligen (dritten) Epileptologen (in WÜ), der zwischenzeitlich in diese Klinik zurückging, reden - sprich verabschieden - durfte. Der Verlust als meinen Behandler war so nicht so schwer. Bei einem anderen war es so schwer, dass ich lange darum "trauerte" - obwohl ich zu diesem längst blindes Vertrauen entwickelt habe. Eigentlich nur durch eine "Anrede" bei einer Mail zog den Schlussstrich. Zwischendurch kommt der plötzliche Verlust zu meinem ersten Epileptologen in WÜ in den Sinn, aber es tut nicht mehr weh. Bei dem dritten, der nach Bethel zurückging, tut es zwar immer noch weh und vermisse ihn sehr, aber ich hatte durch das Gespräch die Möglichkeit, mich innerlich wirklich zu verabschieden und auf eine bestimmte Art und Weise loszulassen. Der vereinehmende Schock war nicht da. Das hat zwar auch einige Zeit gedauert, bis das so richtig eintrat, aber der Grundstein wurde durch dieses Abschiedsgespräch wurde gelegt. Und zwischendurch gehe ich dem Bedürfnis nach, ihm zu schreiben und freue mich jedes Mal über eine Antwort. Manchmal hatte ich Angst, dass ich Klammern würde, doch als ich das Gedicht im KND-Forum fand, erkannte ich, dass das nicht das Klammern im allgemeinen zu tun hat, sondern "nur", dass ich Gewissheit hätte, mich richtig verhalten zu haben ... Ich habe das Gedicht hier ins Forum kopiert, weil es im anderen nicht leicht zu verlinken ist: Du wünscht dir etwas

2004 BKH Haar, Haus 12/4a (Geschlossene) und Haus 30 (offen), je ca. 1 Monat, Depression - siehe Eingangsbericht.

2004 BKH Kaufbeuren, Psycho-Somato, Offene Station, 4 Monate, Depression

LG, Manuela
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Beitragvon Beate » 03 Okt 2006 17:02

Geschrieben Mittwoch, Juli 27, 2005 @ 12:01:39

Liebe Manuela,

wie hast du diese Odyssee so gut und stark überstanden? Dein Bericht hat mich erst mal total überwältigt. Aber sehr gefreut habe ich mich über das lachenende Gesicht beim Aufenthalt anlässlich deiner Geburt. Bild

Ich bin wie Grau nie wegen meiner Depressionen in einer Klinik gewesen, und nach deinem Bericht bin ich noch froher darüber. Ich glaube, durch das Ausgeliefertsein an Menschen, denen man oft nicht einmal vertrauen kann, Bevormundung sowie Beschäftungsangebote, mit denen man nichts anfangen kann, ginge es mir dort noch schlechter als sonst. In meiner Bekanntschaft sind einige Menschen, denen es nach einem Klinikaufenthalt wesentlich schlechter ging als zuvor.

Eine vielleicht dumme Frage habe ich: Wie schaffst du es bei dem, was du für dich selbst tun solltest, nein, tun MUSST, noch so sehr viel für andere Menschen da zu sein, so viel Einsatz für sie auf die Beine zu stellen? Überlastest du dich dadurch nicht? Hilft das dir selbst auch bei allem, was dir geschieht?

Es ist schön, dass du einen Mann hast, auf den du dich so bedingungslos verlassen kannst, der so sehr zu dir hält und dich unterstützt. Das ist das Schönste im Leben, finde ich.

Auf deine weiteren Berichte bin ich gespannt.

Alles Liebe für dich - Beate
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Beitragvon Grau » 03 Okt 2006 17:03

Geschrieben Mittwoch, Juli 27, 2005 @ 17:51:32

Liebe Manuela,
vielen Dank für deine ausführliche Beschreibung. Du hast dir eine Menge Mühe gemacht, ich habe vieles direkt vor Augen sehen können...
Seltsamerweise habe ich auch eine ziemlich genaue Vorstellung entwickelt, wie du aussiehst. Bild
Hast du keine Scheu gehabt bei der Gruppentherapie? Ich könnte mir nicht vorstellen, vor mehreren anderen über persönliches zu reden.
Außerdem bin ich auf den "positiv-thread" gespannt.
Viele Grüße
Grau
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Beitragvon Dendrit » 03 Okt 2006 17:03

Geschrieben Donnerstag, Juli 28, 2005 @ 17:51:01

Liebe Beate,

Schweigepflicht und Anonymität nahmen mir die Scheu. Und an für sich bin ich schon offen, was allerdings immer schwerer wird: je mehr ich mitkriege, wie's und auch warum's in mir aussieht. Lediglich schriftlich geht's noch.

Liebe Grau,

Wie schaffst du es bei dem, was du für dich selbst tun solltest, nein, tun MUSST, noch so sehr viel für andere Menschen da zu sein, so viel Einsatz für sie auf die Beine zu stellen? Überlastest du dich dadurch nicht? Hilft das dir selbst auch bei allem, was dir geschieht?

Gar nicht mehr. Bild Jetzt weiß ich halt wieso und warum, aber davor wollte ich deswegen Schluß machen, weil ich nichts mehr auf die Reihe bekam - und auch noch so blöd war, was von der Geschlossenen aus zu organisieren. Wenn's mir jetzt etwas besser geht, will ich mir sofort einreden, dass all das nur Einbildung war und wieder "ganz normal" weitermachen könne. Versuche ich den Haushalt aufzunehmen, merke ich sofort, dass ich nach wie vor nichts schaffe. Mir geht's lediglich besser.

Liebe Grüße

Manuela
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Beitragvon Beate » 03 Okt 2006 17:05

Geschrieben Freitag, Juli 29, 2005 @ 11:22:40

Liebe Manuela,

da hast du wohl Grau und mich bzw. unsere Fragen verwechselt Bild

Ich finde es sehr gut, dass du selbst merkst, dass es dir insgesamt besser geht. Dass du auf Anhieb keine Bäume ausreißen kannst, ist doch klar. Auch eine Reise von 1000 Meilen beginnt mit dem ersten Schritt. Vielleicht gelingt es dir mit vielen kleinen Schritten zu merken, dass du sehr wohl viele Dinge schaffst. Allein dieses Forum ist ein Beweis dafür, was du so alles auf die Beine stellst. Außerdem: Etwas schaffen ist relativ bzw. auch subjektiv.

Dieses Gefühl, nichts zu schaffen, kenne ich leider auch viel zu gut, und wenn ich dann genau hinsehe, merke ich manchmal, dass das gar nicht so ist. Du schriebst doch vor einigen Tagen selbst, dass du dich immer bemühst, zwischendurch kleine Dinge zu erledigen, egal, wie es dir geht. Und auch daran kannst du doch erkennen, dass du sehr wohl eine Menge schaffst. Wenn man die Messlatte bei sich selbst hoch ansetzt, kommt logischerweise immer das "Versagensgefühl". Wieder so ein Teufelskreis, der kaum oder sehr schwer zu durchbrechen ist. Aber ich denke, den kennen wir alle hier. Versuchen wir gemeinsam, da herauszukommen.

Liebe Grüße
Beate
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Beitragvon Dendrit » 03 Okt 2006 17:06

Geschrieben Freitag, Juli 29, 2005 @ 15:32:57

Liebe Beate,

ja, Du hast recht. Die Meßlatte klein zu halten, wenn es einem "scheinbar" gut, fällt mir schwer.

Sorry, für die Namensverwechslung. Bild

LG, Manuela
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Beitragvon Grau » 03 Okt 2006 17:07

Geschrieben Freitag, Juli 29, 2005 @ 17:06:36

Liebe Manuela,
ich bin leider überhaupt nicht offen in real life. Bloß so schön anonym im Netz kann ich von mir reden. Es hat mich 2 Jahre Therapie gekostet, bis ich nicht mehr vor Angst zitternd dort hingegangen bin. Ich habe immer geredet mit meiner Therapeutin, habe alles versucht zu sagen, schließlich wollte ich diese Therapie mehr als alles andere. Aber Angst, Angst, Angst hatte ich davor.
BIst du im Moment in ambulanter Therapie?
Viele Grüße,
Grau
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Beitragvon Dendrit » 03 Okt 2006 17:07

Geschrieben Freitag, Juli 29, 2005 @ 18:44:39

Ja, Grau.

Sowohl beim Psychiater als auch beim Psychologen. Beim letzteren ist zwar VT "gemeldet", inoffiziell macht er aber Gesprächstherapie. Würde ich auf ein unangenehmes Thema stoßen und will darüber nicht reiden - peinlich, Angst etc. - kann ich ganz leicht das Thema wechseln. Da habe ich ca. 50 Min. Beim Psychiater dagegen normalerweise 20 Min. So schwer es meist ist, aber er lässt mir keine Ausflüchte. Z.B. das Zugeben von Suizidgedanken "gestern" (also Vergangenheit) geht ja, aber wenn ich das für den Moment bezeichnen müsste, würde ich lieber abhauen als zu antworten. Andererseits, habe ich das ausgesprochen, gehts besser. Wenn ich's meinem Mann sage, sieht er betroffen drein und weiß nicht, wie er reagieren soll. Diese Unsicherheit habe ich bei ihm nicht.

Beispiel: Als es mal ziemlich schlimm war, ließ der Psychiater nach dem Versprechen gehen, weil ich am nächsten Tag einen Termin beim Psychologen habe. Den hat er wiederum angerufen und davon unterrichtet. Klar fragt der Psychologe wie's mir geht. Betrifft also Momentanen Zustand. Bestätige ich es, fragt er, ob ich wisse woher. Nein. Das war's.

Allerdings bin ich wiederum zu feige, um mit dem Psychologen "deutsch" zu reden, dass mir die GT nichts bringt. Bild

Aber am Mo. hab ich ja einen Termin beim Psychiater - ich freu mich schon, auch wenn's dann wieder schwer ist ... Bild

LG, Manuela
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Beitragvon Grau » 03 Okt 2006 17:08

Geschrieben Freitag, Juli 29, 2005 @ 19:20:49

Muß noch mal nachfragen, ob ich das richtig verstanden habe:
Der Psychologe macht Gesprächstherapie mit dir, aber du hast das Gefühl, dass diese dir nichts bringt, weil er zwar nachfragt, aber dann letztlich nicht mit dir Ursachenforschung betreibt? (Vielleicht ist er als VTler nicht so der richtige dafür?)
Ist es so, dass dir der Psychiater näher ist von seiner Persönlichkeit und seinem Umgang mit dir?
Wie lange gehst du schon zu ihm?
Zu meiner Psychiaterin bin ich auch immer gern gegangen, nur seitdem meine Therapie (bei einer anderen Therapeutin, die sie aber kennt) zu Ende ist, ist es seltsamerweise so anders und schrecklich. Ich habe das in der (zugegeben unpassenden) Ecke "Kaffeeklatsch" in Beates Thread ja erzählt. Bild
Viele Grüße
Grau
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Beitragvon Dendrit » 03 Okt 2006 17:09

Geschrieben Sonntag, Juli 31, 2005 @ 10:54:09

Liebe Grau,

ich glaube, damit hast Du den Nagel auf den Kopf getroffen: der Psychiater näher ist von seiner Persönlichkeit und seinem Umgang mit dir. Obwohl der Psychologe jetzt kein Unsympath ist. Aber - ja, irgendwas fehlt. Bei beiden bin ich seit März oder April letzten Jahres. Hmm, der Psychiater hat von meiner "Krisen"-Zeit am meisten mitbekommen. Bei ihm war ich so am offensten. Wahrscheinlich liegt da der Tür- und Angelpunkt: bei dem, der soz. am tiefsten in mich 'reinblicken konnte und mich nicht fertig machte, bleib ich "treu" - weiß nicht, wie ich das sagen/bezeichnen soll.

Ich steh jetzt auch wieder vor einer blöden Entscheidung: die Wirkung von R.e.b.o.x.e.t.i.n scheint in einer höheren Dosis zu liegen - oder gar nicht. Auf jedenfall beeinflusst es die Wirkung der Antiepileptika. Da bin ich jetzt fast an der Grenze, ohne NW zu bekommen. Weiter 'rauf möchte ich nicht mehr gehen, also kein weiteres Aufdosieren von R.e.b.o.x.e.t.i.n. Versuch mit C.i.t.a.l.o.p.r.a.m? Klinisch - damit schneller eine Wirksamkeit bzw. Harmonie gesehen wird? Bei den AE's kann ich keine anderen mehr nehmen, die habe ich schon alle durch. Die AD müssten sich anpassen.

Wenn ja, in welche Klinik? Im Epilepsiezentrum in Bethel-Bielefeld liegen schon Akten von mir, kenne die meisten von Bezug, Psychologen, OA. Einiges spricht aber dagegen. Die Empfehlung der Klinik Weissenau: wieder alles neu durchkauen, ... Jetzt werd' ich morgen mit meiner Liste beim Psychiater aufkreuzen. Wenn in der Psychiatrie in München auf meine Bedingungen konsequent eingegangen werden kann und nicht um alles betteln, dann würde ich das natürlich vorziehen. Ist für alle in der Nähe und könnte auch mit Besuchen eher rechnen. Bild

Ist schon komisch, dass es bei manchen Behandlern einfach nicht das Verhältnis entsteht, wie beim vorherigen. Oder man ist auf den anderen so eingespielt. Bild

Jetzt ist es schon wieder so lang geworden, ich muss mich echt bemühen, mich kürzer zu fassen. Bild

Ich wünsch Dir einen schönen Sonntag!

LG, Manuela
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Beitragvon Grau » 03 Okt 2006 17:10

Geschrieben Sonntag, Juli 31, 2005 @ 16:50:38

Liebe Manuela,
ich lese deine Beiträge gern und finde sie nicht zu lang.
Da mußt du wirklich keine schöne Entscheidung treffen. Mußt du dafür zwingend in eine Klinik? Oder fühlst du dich dann einfach sicherer?
Ich glaube, es kommt immer mehreres zusammen: Mit jedem Behandler erlebt man eine eigene Geschichte, die einen prägt. Und so auch das nächste Verhältnis beeinflußt. Und dann ändert sich vielleicht die Lebenssituation, die der eine besser verstehen kann als der andere. Und Behandler und/oder ihre Situation selbst ändern sich schließlich auch.
Es ist immer ein großer Glücksfall, wenn man einen Menschen trifft, mit dem man sich versteht - auf den man sich versteht und reden kann.
Viele Grüße
Grau
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Beitragvon Dendrit » 03 Okt 2006 17:11

Geschrieben Dienstag, August 2, 2005 @ 09:39:25

Hallo,

so jetzt war ich gestern in der Uni. Aber das ging ab Bhf. schon "gut" an. Ich bemühte mich, mit dem Bus zu fahren, weil im Sommer die U-Bahn-Bereiche so schrecklich warm und stickig sind. Erst fuhr mir der verspätete Bus vor der Nase weg. Dass der nächste etwas verspätet ankam, war klar. Dann eine Baustelle nach der anderen - wäre ich doch bloß mit der U-Bahn gefahren! Bild Ich wurde immer nervöser, denn ich habe von der Ankunft des Zuges bis zum Termin ca. 25 min., reicht i.d.R. auch locker (außer zum Quartalsbeginn Bild). Also rief ich in der Anmeldung der Ambulanz an: besetzt. Zweite Nr.: besetzt. Nochmaliger Versuch: besetzt. Beim Arzt direkt: besetzt - hat also gerade ein Gespräch. Nochmals Ambulanz: besetzt. Pforte, beide Nr. : besetzt. Zum Haareausraufen!! Endlich kam ich schließlich in der Ambulanz durch. Ich wollte einfach nur sagen, dass ich verspätet wg. der Baustellen ankomme. Bild Ich konnte lediglich meinen Namen, bei welchem Arzt ich 'nen Termin habe und dass es zu einer Verspätung ... - weiter ging nicht. - Moment, ich verbinde. - Konnte gar nicht Luft holen, denn eine Notiz hätte völlig gereicht. Nach über 1,5 min landete ich bei meinem Arzt. Toll, die Sache wäre innerhalb von 30 sec geregelt gewesen. Bild

Dann dort, sitzte jemand vor der Tür. Fragte, ob sie auch zu Dr. *** müsse. - Ja. - Um welche Uhrzeit sie den Termin habe. - 14.00 h - Kann doch nicht sein, dass er 2 Termine um die selbe Uhrzeit gibt (PC-System geht's nicht)! - Es ginge auch schnell. - Endlich kam der Arzt, ich sagte ihm, dass ich warten könne (dann hätte ich Zeit, mich zu aklimatisieren). Nein, soll gleich reinkommen, machen das auch schnell. So, "schnell" und ich stand sofort unter Zeitdruck, was heißt, dass ich nicht mehr richtig aufnahme- und merkfähig bin. Ja, und was ich ihm noch sagen wollte, vergaß ich natürlich auf.

Im Zug ging ich das Gespräch durch: haben wir nun darüber gesprochen oder nicht? Die und die Fragen habe ich, denk ich, gar nicht beantwortet. Aufdosieren oder nicht? Bild Jetzt ging's eh schon bergab und das zog mich gleich noch weiter 'runter. Es ging mir nach der letzten Aufdosierung direkt wieder "gut". Dann die Peinlichkeit, dass ich so vergeßlich war. Ich hatte ihm zwar 'ne Mail geschrieben, war mir aber trotzdem peinlich. Er ist dann im Urlaub - und dann? Würde eine Aufdosierung wenigstens vorübergehend helfen? Wenn nicht und mich an die Vertretung wende - die kennen mich ja nicht! Was man schon mal wieder erreicht hat, möchte man gleich wieder haben (der gute Gemütszustand). Was natürlich gleich wieder Oberbescheiden ist, dass Suizidgedanken kommen. Bild Aber ich denk, die sind nicht zu bewerten/von Wichtigkeit.

So, den Frust musste ich wegschreiben. Bild

LG, Manuela
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Beitragvon Grau » 03 Okt 2006 17:12

Geschrieben Dienstag, August 2, 2005 @ 17:36:32

Ach Manuela, das tut mir leid. Ich kann unter Druck auch weder was sagen noch zuhören und an alles denken. Die Ärzte machen sich überhaupt nicht klar, wie wichtig ein einzelner Termin für uns sein kann. Bild
So ganz habe ich nicht verstanden, was du nun tun willst: Hast du ihm anschließend noch eine mail geschickt?
Falls er nicht antwortet oder er schon im Urlaub ist, ruf auf jeden Fall noch mal an. Wenn du selbst von dir weißt, dass eine Aufdosierung dir bereits geholfen hat, dann kannst du das auch (kurz, *seufz*) mit der Vertretung besprechen.
Ich denke an dich.
Grau
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Beitragvon Beate » 03 Okt 2006 17:12

Geschrieben Mittwoch, August 3, 2005 @ 12:36:36

Ganz schön blöd, das Ganze, liebe Manuela. Hast du dich jetzt ein bisschen fangen können? Schwierig, das mit den Medikamenten. Ich muss zugeben, dass ich an deiner Stelle einfach erhöhen würde, wenn ich wüsste, dass ich das gut vertragen habe und es mir Besserung gebracht hat. Wenn der Arzt aus dem Urlaub wieder da ist, kannst du ja noch einmal mit ihm sprechen. Letztlich musst du natürlich selbst wissen, wie du das handhaben möchtest. Ich mache mir vor einem Arzttermin immer Notizen, dann kann ich wenigstens nichts vergessen.

Suizidgedanken scheinen im Moment bei uns hier vorzuherrschen. Nich gut. Allerdings geht es mir heute ein wenig besser. Gestern Abend habe ich zwei Beruhigungstabletten eingeworfen, dann noch eine Schlaftablette und heute ging es so einigermaßen.

Alles Liebe für dich!
Beate
Und wenn Du denkst, es geht nicht mehr, kommt irgendwo ein Lichtlein her.
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Beitragvon Grau » 03 Okt 2006 17:13

Geschrieben Montag, August 8, 2005 @ 17:24:21

Liebe Manuela,
wollte mal nachfragen, wie es dir geht. Hast du aufdosiert? Konntest du noch mal mit jemandem reden?
Ich denke oft an dich,
Grau
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Beitragvon Beate » 03 Okt 2006 17:14

Geschrieben Dienstag, August 9, 2005 @ 07:26:20

Liebe Manuela,

ich schließe mich Grau an. Auch ich denke oft an dich und hoffe, dass du für dich selbst weitergekommen bist. Es wäre schön, wenn du dich wenigstens mal kurz melden würdest.

Pass auf dich auf!
Beate
Und wenn Du denkst, es geht nicht mehr, kommt irgendwo ein Lichtlein her.
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Beitragvon Dendrit » 03 Okt 2006 17:14

Geschrieben Dienstag, August 9, 2005 @ 13:39:51

Sorry, dass ich mich solange nicht gemeldet habe.

Lieben Dank für Euren Zuspruch. Nein, ich habe nicht aufdosiert. Ich wollte das auch grundlegend geklärt haben, besonders weil er in den Urlaub geht. Ja, E-Mail habe ich geschrieben, aber nichts gehört. Bild Da, wo ich keine Antwort erwartet habe, bekomme, jetzt, wo ich sie mir wünschte, nichts. Vielleicht ist er auch schon weg. Bild Ja, aber ich würde auch aufdosieren, in kleineren Schritten, als üblich - nach dem Motto: sicher ist sicher.

Jetzt geht es mir direkt gut, ich hätte nicht gedacht, dass ich nach über 3 y wieder sagen kann: wie kam dir das bloß in den Sinn? Also, dass dieses Denken auftreten kann, ist ja auch schon schön. Andererseits habe ich, wie in einem Müllbeutel alle Gefühle nach dem Niederschreiben der Empfindungen nach dem Tod des Bekannten 'reingetan. Irgendwo abgestellt. Ich bin derzeit in einem seltsamen Zustand, der evtl. für das gut-fühlen mitverantwortlich sein könnte: Emotionen ohne Empfindungen. Ich kann mich freuen, aber das Freude-Gefühl (leichte Euphorie) ist genauso wenig da wie bei Traurigkeit der Schmerz. Gestern sahen wir uns einen Krimi an und mir wurde bewusst: ich empfinde keine Spannung. Ich nahm zwar die Musikveränderung wahr, die diese eigentlich aufbauen sollte, aber es kam nichts - weder bewusst noch unbewusst. Ich kann mich nicht richtig in jemanden hineinversetzen, so schreibe ich manchmal nur, was ich "weiß", was ich gelesen oder erlebt habe und mich erinnere, wie ich mich dabei gefühlt habe. Aber ich weiß, dass Plastikmüllbeutel viel fassen können, aber bei einem Ritz er kaputt geht und je nach Schwere des Inhalts alles auf den Boden fallen kann. Ich "weiß", dass das nicht gut ist, nicht gerade positiv empfinden würde.

Worüber ich mich im allgemeinen freue: ich hatte an zwei Tagen "Putzanfälle", Staubwischen und kleines Regal ausmisten. Aber ich war hinterher so fertig, mein Kreislauf ging ziemlich weit 'runter, musste aufhören. Ich habe fast den Verdacht, dass der Körper ein "Schlupfloch" gefunden hat, wie er mich zur Ruhe "zwingen" kann. Als ich bei der extremen Hitze so Kreislaufprobleme bekam, musste ich mich hinlegen. Jetzt kann es echt nicht mehr an der Hitze liegen und trotzdem ist es immer noch so extrem. Ich werde in den nächsten Tagen zum Hausarzt gehen um abzuklären, ab das lediglich psycho-somatisch ist oder eine paradoxe NW von R.e.b.o.x.e.t.i.n ist. Beim ersteren werde ich wohl nachgeben müssen ... Bild

Am Donnerstag letzter Woche war ich bei einem Neurologen in einer Epilepsie-Ambulanz. Ich bin 20-30 Min als Sprech"std." gewohnt und kann dementsprechendes evtl. ausdeutschen. Dort sind es jedoch 10 Min. Auf einmal begann der Arzt von Medikationsaufdosierungen und Zugabe anderer Präparate sprechen. Erst war es für mich OK zu erfahren, dass nicht die Serumkonzentration behandelt wird, sondern sich nach der Nebenwirkungsgrenze ausgerichtet wird. Also wäre mein Pensum noch nicht erreicht und habe einen Behandlungsspielraum.

Dann nannte er ein Präparat. Ich zu ihm: ich habe schon alle Antiepileptika für eine bestimmte Epilepsiegruppe durch und möchte bis auf eines keines mehr nehmen. Und bei dem anderen auch nur, weil eine Wechselwirkung zwischen Dosierung und der erwünschten Wirkung nicht bekannt war und so wg. der Nebenwirkungen ausdosiert werden musste. Dann nannte er noch einen Wirkstoff. Sofort die Bedenken: der glaubt mir nicht, ich weiß zuviel. Auf der Heimfahrt wurde mir das immer mehr bewusst: wenn ich jetzt aufdosiere, wie gesagt, kann man bei NW nicht sagen, ob sie von der Aufdosierung von R.e.b.o.x.e.t.i.n, von Lamotrigin oder die beider gleichzeitig wären. Der Psychiater ist nicht da, ich kann das nicht absprechen.

Allen Erfahrungsschatz und Wissen über Bord werfen und so handeln, wie er es sagte? Oder das anwenden und der genannten Therapie widersprechen? Ich habe mich noch nie gegen eine Therapie so wehren müssen, diskutieren ja, aber wehren? Gibt es einen Patienten-Knigge? Also entschied ich mich für das Wehren, schließlich hatten es die vorangehenden Ärzte nicht leicht mit mir und haben mir jede Menge beigebracht. Allein das bin ich ihnen schuldig. Der Logik, meinem Psychiater und im Endeffekt mir. So schrieb ich ihm eine Mail, Blindkopie an den Psychiater. Gestern kam eine Antwort rein. Erklärte das allgemeine Therapieziel - das was ich auch erwartet und geschrieben habe. Welche "Lücke" es noch gäbe. Schrieb ich ihm ja auch. Ob das nun wirklich nur ein Mißverständnis meinerseits war, lasse ich mal offen, betrachte es mal so. Ich bedankte mich, zählte auf, was dazu hätte mitspielen können. Er sagte mir beim Termin, dass er mit dem Oberarzt darüber sprechen müsse. Erleichtert kam mir in den Sinn: zum Glück, den kenn ich, der denkt so wie ich - wobei, eher umgekehrt. Bild Und so las ich das aus seiner Antwort heraus. Damit kann ich arbeiten. Ich habe mich jedoch nicht entschuldigt. Wie sonst. Denn zu meinem Denken steh ich ja trotzdem. Vielleicht trägt es dazu bei, dass er weiß, dass ich nicht jemand bin, den man so einfach abfertigen kann, der "Ja" und "Amen" Herr "Dr. Gott in Weiß" sagt. Wenigstens auf diesem Gebiet. Und irgendwie bin ich sogar stolz, den Absende-Button gedrückt zu haben. Bild

Mann, jetzt ist's schon wieder so lang geworden ... Bild Jetzt werd' ich an meinem Window-Color-Mobile weiter machen.

Bis bald, lieber Gruß

Manuela
Alle sagten, dass es nicht geht - da kam einer, der das nicht wusste, und tat es.
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Beitragvon Beate » 03 Okt 2006 17:15

Geschrieben Dienstag, August 9, 2005 @ 15:36:06

Hallo Manuela,

schön, dass du an so einem schönen Werk bist. Gelingt es gut? Wie sieht es aus?

Grrr - dein neues Ärzteerlebnis. Sag mal, kommt man sich da nicht langsam bescheuert vor? Mir geht es häufig wie dir, sogar bei meinem eigenen Arzt. Da fühle ich mich manchmal wirklich blöd, weil ich denke, er wurschtelt nur so mit mir rum, ohne zu wissen, was wirklich gut wäre, und auch ohne groß darauf zu hören, was ich zu sagen habe. Im Moment hadere ich wieder ganz doll damit. Er ist zwar in Urlaub, aber ich weiß genau, dass er mir ohnehin nicht helfen könnte, wenn ich hinginge. Aber es kann (ich weiß: es kann doch) nicht sein, dass es mir trotz der Medikamente wieder so extrem schlecht geht. Ich weiß nicht, was ich tun soll.

Gefühlsmäßig geht es mir zurzeit ähnlich wie dir. Gefühle abgeschaltet. Ich lache, aber bin nicht lustig. Dabei fühle ich mich auch wieder wie in Watte, denk- und zu allem unfähig. Zu ein paar kleinen Dingen kann ich mich immer noch antreiben, aber viel ist es nicht. Ich beneide dich um deinen Putzanfall. Ist er wieder vorbei?

Vielleicht holen sich dein Körper und dein Geist mit dem Nichtempfinden ja wieder das, was sie brauchen. Ach, es ist so schwer.

Liebe Grüße - Beate
Und wenn Du denkst, es geht nicht mehr, kommt irgendwo ein Lichtlein her.
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